40. Arbeitskreis vom 6. Juni 2013

21. Juli 2013 AK Schule 0 Kommentare

Bericht über den 40. Arbeitskreis vom 6. Juni 2013
: Straßen der Kunst und der Geschichte –

Flanieren in Paris
Referenten: Wolfgang Schwarzer / Debora Woinke

Am 6. Juni 2013 erwartete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Arbeitskreises für Französischlehrkräfte ein kleines Jubiläumsfest, denn es konnte das 40. Treffen gefeiert werden. Das zwischen Fortbildung und allgemeinbildendem Kulturbeitrag angesiedelte Thema war für diesen Zweck vorzüglich geeignet. Es zog ca. 80 Interessierte an, Lehrkräfte sowie auch Mitglieder der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg (DFG) und weitere Gäste, die alle herzlich eingeladen waren.

Das Fachreferat der Veranstaltung
Der medial bestens ausgestattete Vortragsaal der Volkshochschule Duisburg (VHS) öffnete seine Tür zu einem visuellen und virtuellen Spaziergang durch die Straßen der Kunst und der Geschichte der Stadt Paris, zu dem die Vortragenden, Wolfgang Schwarzer, Präsident der DFG und langjähriger Leiter des Fachbereichs Fremdsprachen der VHS, und die Kunsthistorikerin Debora Woinke eingeladen hatten. (Konzept und Kommentare: W. Schwarzer und D. Woinke, Originalaufnahmen von Paris: W. Schwarzer; Powerpoint und Technik: D. Woinke).

In Bild, Wort und Film, umrahmt von Musik, wurde die Stadt lebendig. Historische und neuere Stadtpläne, Fotografien und Filmausschnitte führten zu Orten, die Schlaglichter auf die Entwicklungen der Stadt von ihren Anfängen bis heute werfen. Ergänzend wurden Texte zum Paris-Erlebnis und zum Typ des Flâneur von Walter Benjamin, von Kurt Tucholsky, Sophie Calle, Chansonniers und anderen vorgetragen.

Das Thema „Paris“ ist für den Französischunterricht von stetiger Bedeutung, es steht in den Kernlehrplänen und wird in den Lehrwerken präsentiert. Auch bietet sich immer wieder Anlass, Paris neu zu entdecken. Der Vortrag bot hierzu eine Fülle von Eindrücken und Informationen, die ein zuweilen bekanntes, in vielem aber auch ganz neues Bild von Paris entstehen ließen. (Die Klammerzusätze im Bericht beziehen sich auf die Tischvorlage „Programm Flanieren“, die auf der Internetseite VOILA unter der Rubrik Materialien zu finden ist. Es sind darin viele weiterführende Hinweise auf Filme, Bücher und Webseiten enthalten).

Die Vortragenden hatten den Spaziergang in zwei Teilen geplant:

Im 1. Teil erinnerte Wolfgang Schwarzer anhand historischer Stadtpläne und eigener fotografischer Aufnahmen an das Paris, das der Paris-Reisende in sich trägt („Paris – des origines jusqu’à notre temps“): Die Anfänge der Stadt Lutetia, sodann die schrittweisen Erweiterungen, die schließlich im 19. Jahrhundert unter Kaiser Napoléon III im Zuge umwälzender Bauarbeiten des Stadtpräfekten Baron Haussmann zum Bau von großen Boulevards und Sichtachsen, Bahnhöfen und Markthallen führten und seither das Bild der Stadt als moderne und industrielle Metropole prägen.

Zum Stadtbild gehören auch die Passagen, die im 19. Jahrhundert zusammen mit den großen Warenhäusern eine neue Art des Konsums kennzeichneten („l’esthétique des passages et d’autres lieux transitoires“). Während sich mit dem Erstarken des Bürgertums Kunst in den privaten Raum zurückzog, kann man ihr heute wieder, ganz im Sinne der modernen Avantgarden und durch die lebendige kulturelle Szene bedingt, im öffentlichen Raum begegnen. Kunst und Musik präsentieren sich dem Passanten in den Untergrundgängen der Metro sowie in Fußgängertunneln und an Straßenecken. („l’art dans l’espace publique et privé“).

Die große Zeit des Montmartre ist in Erinnerung dank der Kunst von Toulouse Lautrec, der in seinen Bildern, so machten die Referenten deutlich, das Leben auf der Butte nicht nur festhielt, sondern daraus seinen einmal spontan-realistischen, einmal grafischen Stil entwickelte, der den Werken des Künstlers Modernität verlieh. So nehmen einige Darstellungen der Sängerin und Tänzerin La Goulue zum Beispiel den ungeschönten Blick heutiger Pressefotografien vorweg. Die historische Erinnerung an Montmartre lenkte den Blick auf das aggressive sexuelle Verkaufsangebot im Pariser Nachtleben heute, das die Schriftstellerin Sophie Calle beschreibt („Montmartre – de Henri de Toulouse-Lautrec à Sophie Calle“). .

Im 2. Teil der Präsentation wurden Schlaglichter auf die aktuelle Fassade der Stadt als Ort der zeitgenössischen Kunst geworfen. Der Spaziergang führte an einem Atelierhaus vorbei („au coeur de la ville – de l’histoire et de l’Art contemporain“), in dessen Schutz zeitgenössische bildende Künstler ihren Idealen nachspüren können, bis zur Kathedrale Notre Dame als Aktionsort der Gruppe Femen („les 850 ans de Notre-Dame-de-Paris en cinq minutes“).

Diese Begegnung regte die Referenten an, weitere politische und gesellschaftliche Aktionen und Skandale in der neueren Geschichte der Stadt zu evozieren: Das Unbehagen von Filmschaffenden und Künstlern der 50er und 60er Jahre gegenüber gesellschaftlichen und politischen Strukturen führte im Umkreis der Cinémathèque Française zu filmischen, spielerischen und gewaltsamen Äußerungen. Näher dargestellt wurde das gesellschaftlich relevante Filmkonzept des Dokumentarfilmers und Regisseurs Georges Franju und des Gründers und Direktors der Cinémathèque, Henri Langlois. Dessen Absetzung durch den Kulturminister André Malraux und seine spätere Wiedereinsetzung waren von heftigen Tumulten begleitet („activisme cinéphile, politique, artistique et vert“). Als gesellschaftlicher Protest mit neuer Zielrichtung wurden die gewaltfreien und spielerischen Aktionen des Clan du Néon vorgestellt, der seit 2007 die Energieverschwendung in der ville lumière, der Lichterstadt anprangert.

Der virtuelle Spaziergang endete auf dem Eiffelturm („une dernière nuit à Paris“) mit den poetischen Nachtbildern „Chambre avec vue / Schlafzimmer mit Aussicht“ der Performance-Künstlerin Sophie Calle aus der inzwischen schon traditionellen „nuit blanche / Weiße Nacht“ vom 5./6. Oktober 2002. Musikalisch begleitet wurde die Flânerie u.a. von Liedern der französischen Sängerin ZAZ.

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Vin d’honneur

Die Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg würdigte das kleine Jubiläum des Arbeitskreises mit einem „vin d’honneur“, begleitet von Gebäck der Konditorei Heinemann, Sonnenwall Duisburg. Liebenswürdige „Mundschenke“ waren Klaus und Imgard Jankus, denen hier herzlich gedankt wird. Es bot sich beim Wein eine angenehme Gelegenheit des Gedanken- und Erfahrungsaustauschs sowie des fröhlichen Zusammenseins gegen Ende eines langen Schulhalbjahres.

Rückblick auf 40 Treffen des Arbeitskreises für Französischlehrkräfte

Die Anfänge

Der 40. Arbeitskreis war für die Organisatorinnen Ulrike Hebel und Ingeborg Christ Anlass für einen Rückblick auf den kontinuierlichen und erfolgreichen didaktischen Dialog zum Französischunterricht sowie insbesondere auch für Dank an diejenigen, die ihn möglich gemacht haben (vgl. hierzu die Materialien „AKInfo“ und „Themen des Arbeitskreises“).

Im Jahr 2005 trafen sich zum ersten Mal Französischlehrkräfte des Raumes Duisburg in Kooperation mit der DFG aus dem Wunsch heraus, ein Dialog-Forum für Französischlehrkräfte aller Schulen, Schulformen, Volkshochschulen und anderer Bildungseinrichtungen, die die französische Sprache vermitteln. Die DFG, deren Anliegen es ist, die französische Sprache in der Stadt und der Region präsent zu erhalten, sie sichtbar zu machen und Begegnung mit frankophonen Sprechern zu fördern, bot sehr gern ihre organisatorische, verwaltungsmäßige, fachliche und materielle Unterstützung an. In Zeiten begrenzter öffentlicher Mittel für die Lehrerfortbildung hat die Zuverlässigkeit des ehrenamtlichen Angebotes des Arbeitskreises zunehmend an Beliebtheit, Nachfrage und Ansehen gewonnen. Dazu tragen gewiss auch die Bescheinigungen sowie die Berichte bei, die die Arbeitskreise und die Teilnahme dokumentieren.

 Teilnehmerinnen, Referenten, Aussteller

Bisher konnten 320 Lehrkräfte angesprochen werden, für jede Veranstaltung interessierten sich in der Regel ca. 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. 35 Referentinnen und Referenten, das „who is who“ der nordrhein-westfälischen Fachdidaktik, gewährleisteten exzellente (ehrenamtliche) Beiträge. Den Sinn des Arbeitskreises erfüllen insbesondere auch die teilnehmenden Lehrkräfte selbst, die als Experten Themen und Projekte aus ihrer Erfahrung und Planung einander vorstellen. Sehr herzlich werden immer frankophone Lehrkräfte begrüßt, die nicht zuletzt zum Französischsprechen motivieren. Zweimal gelang es, Beiträge von Schülerinnen und Schülern zu ihrem Erleben des Französischunterrichts zu gewinnen. Als sehr wertvoll wurden die bei allen Veranstaltungen gebotenen Buchausstellungen von Schulbuchverlagen (insbesondere der Verlage Cornelsen und Klett) sowie der Duisburger französischen Buchhandlung Jürgen Donat geschätzt.

 Themen / Berichte

Die Themen ergeben sich aus den Wünschen der Lehrkräfte, denen im Rahmen des Möglichen gern Rechnung getragen wird. Nachfolgende Themenbereiche (mit manchmal mehreren Beiträgen) waren bisher Gegenstände der Veranstaltungen (Anlage „Themen des Arbeitskreises“). Berichte über die Arbeitskreise werden im Anschluss an die Veranstaltungen an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer versandt und sind im Internet zu lesen unter www.voila-duisburg.de/Schule/Berichte):

Bildungsstandards, Kompetenzorientierter Französischunterricht

(Erwerb mündlicher und schriftlicher Kompetenzen und ihre Überprüfung ; Sprachendorf; Zentralabitur und mündliche Abiturprüfungen)

Arbeit mit dem Lehrwerk

(Vorstellung/Analyse von Lehrwerken unterschiedlicher Verlage;

Beispiele der Arbeit mit dem Lehrwerk)

Inhalte des Französischunterrichts

– Landeskundlich-interkulturelle Inhalte: Alltag; Feste (z.B. Noël); Paris (kultureller/historischer Spaziergang; Paris im Film); Regionen (La Provence); Geschichte (2. Weltkrieg; Occupation, Résistance; Enfants franco-allemands de la guerre; Deutsch-Französischer Vertrag; Francophonie – Le Québec).

– Literatur im Französischunterricht: Literatur in Sekundarstufe I und II; Streifzug durch die moderne Prosa; Literatur in einem weiteren Sinn: Film, Bande Dessinée, szenisches Spiel, Oper, Chanson.

Unterrichtsgestaltung

(Kommunikatives, kooperatives, individuelles, ganzheitliches Sprachenlernen; Bewegung, Spiel, Emotion)

Deutsch-französische Begegnung:

(Schüleraustausch, Exkursionen, bilaterale Projekte, Sprach-Rallyes, Gestaltung einer deutsch-französischen Woche)

bilingualer Unterricht

(Fremdsprache als Arbeitssprache in verschiedenen Fächern; das deutsch-französische Geschichtsbuch

 Veranstaltungsorte

Häufiger Veranstaltungsort ist der Gesellschaftsraum des Café Museum im Kantpark. Die Treffen dort tragen in besonderer Weise den Charakter des Freiwilligen und der Freude am Zusammensein. Bei medial anspruchsvollen Themen nehmen wir gern die technischen Möglichkeiten der Aula des St. Hildegardis-Gymnasiums wahr, dessen Schulleiter und Französischlehrkräfte wir als äußerst kooperativ erfahren durften. Für größere Veranstaltungen boten das Forum der Volkshochschule Duisburg, die Tagungsstätte Der Kleine Prinz sowie das Internationale Zentrum äußerst effiziente und professionelle Unterstützung. Als besonderen Vorzug werten wir das wiederholte Angebot, im prächtigen Ratssaal des historischen Rathauses tagen zu können.

 Dank

Die Lehrkräfte sind Experten des Unterrichts. Entsprechend ergiebig waren die Veranstaltungen, die in aller Regel große Zustimmung der Anwesenden ernteten. Dank war bei diesem Rückblick weiterzugeben an alle diejenigen, die für die kontinuierliche Gewährleistung der Qualität des Forums mitverantwortlich waren: Den Lehrkräften gilt hohe Anerkennung dafür, dass sie so zahlreich, freiwillig und in ihrer Freizeit bereit sind, sich engagiert um die Qualität des Französischunterrichts zu bemühen. Den anwesenden Referentinnen und Referenten wurde stellvertretend für die vielen äußert kompetenten fachlichen Beiträge zu den Arbeitskreisen gedankt. Dank ging des Weiteren an die Mitglieder der DFG, die durch ihr Interesse und ihre Mitverantwortung für den Französischunterricht die Lehrkräfte in ihrer Arbeit bestätigen und würdigen. Besonders dankbar erwähnt wurden Dr. Dagmar und Erika Troost, die stetig und zuverlässig bei der Organisation des Arbeitskreises mitwirken. Voll Dankbarkeit wurde auch der Vertreter und Mitarbeiter der uns aufnehmenden und unterstützenden Institutionen gedacht.

Der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg wurde besondere Anerkennung für viele wertvolle Förderung sowie auch für die schöne Jubiläumsfeier ausgesprochen. Ihrem Präsidenten Wolfgang Schwarzer wurde stellvertretend und zur Erinnerung an das 40jährige Rubin-Jubiläum des Arbeitskreises ein rubinroter Kristall zur Beschwerung diesbezüglicher Post übergeben. Der Rubin steht für Lebendigkeit, Freude, Inspiration, Kreativität. Als Organisatorinnen des Arbeitskreises wünschen wir genau dieses für den Französischunterricht.

Weiter so, wir freuen uns auf das nächste, das 50. Jubiläum, zunächst einmal aber auf den 41. Arbeitskreis nach den Sommerferien, am 19. September!

Ingeborg Christ / Ulrike Hebel


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