39. Arbeitskreis vom 18.4.2013

28. Mai 2013 AK Schule 0 Kommentare

Bericht  über den 39. Arbeitskreis vom 18. 4. 2013

Zum Sprechen motivieren: Sprechanlässe – Impulse – Sprachhandlungen

Referenten: Dr. Ingeborg Christ / Ulrike Hebel / Walter Weitz
Bericht: Ingeborg Christ, Walter Weitz

Begrüßung / Einleitung
In ihrer Begrüßung der ca. 40 Anwesenden dankte Ulrike Hebel der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg für die seit 2005 bereits zum 39. Mal gebotene Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch über Fragen des Französischunterrichts, ein Angebot, das von vielen Französischlehrkräften der Stadt und der Region dankbar angenommen wird. Das Forum steht in einem größeren Projektzusammenhang der Gesellschaft zur Förderung der Sprach- und Landeskenntnis Jugendlicher. Teilprojekte sind (genauere Angaben siehe Anlage A)*:

  • deutsch-französische Vorlesestunde für Kinder und Anfänger im Französischen
  • Vorlesewettbewerb für Klasse 9 / 10
  • Spielnachmittag « Pratiquer le français en jouant »
  • Table ronde de Conversation für Erwachsene und Schüler/innen der Sekundarstufe II
  • Arbeitskreis für Französischlehrkräfte.

Die Referentin lud die Lehrkräfte ein, diese außerschulischen Angebote zur Förderung des Französischen mit ihren Schülerinnen und Schülern intensiv wahrzunehmen.

Sprechen – das Fachthema des Nachmittags
Wie kann man zum Sprechen in der Fremdsprache motivieren? Der Grundsatz ist einfach: Sprechen einer Fremdsprache lernt man durch Sprechen. Aber um zu sprechen, bedarf es gewisser Voraussetzungen beim Sprechenden, und im Unterricht bedarf es der Inszenierung des Sprechens seitens der Lehrkraft. In ihren Beiträgen gaben die Referenten Anregungen zur Inszenierung des Unterrichts bzw. von Unterrichtsphasen, die das Sprechen fördern.

Sprechen gemäß Gemeinsamem Europäischem Referenzrahen
Einleitend erinnert Ingeborg Christ an den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER). Dieser enthält, wie auch die entsprechend konzipierten Lehrpläne, Deskriptoren für das Sprechen in monologischen und interaktiven Situationen. Die Erwartungen für den schulischen Französischunterricht umfassen die Niveaustufen A1 bis B2: A1 betrifft kurze Äußerungen zum Überleben in Alltagssituationen, A2 Äußerungen zu vertrauten Themen, B1 längere Äußerungen zu einem breiteren Spektrum persönlicher und gesellschaftlicher Themen, B2 (Abiturniveau) Äußerungen in Situationen mit muttersprachlichen Sprechern über Themen aller Art. Voraussetzung ist, dass man sprechen kann, d.h. über die notwendigen sprachlichen Kompetenzen verfügt, dass man etwas zu sagen hat, wobei inhaltliche Kompetenzen betroffen sind, und schließlich dass man sprechen will und sich traut zu sprechen, womit ein affektiver Bereich angesprochen ist.

Sprechanlässe – Impulse – Unterrichtsgestaltung
Sprechanlässe können ausgehen vom Lehrwerk sowie auch aus anderen Zusammenhängen: Allgemeine Themen können Anlass werden zum Sprechen ebenso wie aktuelle Ereignisse oder der Jahresablauf mit seinen Festen, kulturelle Ereignisse können anregen ebenso wie interkulturelle Vergleiche. Impulse zum Sprechen können sprachlicher und visueller Art sein. Kenzeichen einer dem Sprechen förderlichen Unterrichtsgestaltung sind offene Phasen, kooperatives Sprachhandeln, Mosaik-Verfahren, spielerische Elemente sowie diskretes Korrekturverhalten und insgesamt eine Atmosphäre der Ermutigun
Beispiele für sprachliche Impulse
Titel: Ausgangspunkt für Assoziationen, Sammlung von Vorwissen im Mosaikverfahren, Kommentare zu einem Thema im Partnergespräch (Beispiele: « Les Animaux »; « Il était une fois … » ; « 50 ans Traité franco-allemand »;

Schlagzeilen in Zeitungen (Beispiel: « LE PRIX NOBEL DE LA PAIX DÉCERNÉ À L’UNION EUROPÉENNE »); zu beachten ist, dass Schlagzeilen manchmal als Einstieg zu komplex sind und zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoller eingesetzt werden; Beispiel: « L’Europe nobélisée, parti prix historique ») (sic!)

Titelblatt einer Zeitschrift (Beispiel: Foto des abtretenden Sarkozy im „Ring“, Text darunter: SARK.O.)

Zitat (Beispiel: „Kinder brauchen Märchen“, Bruno Bettelheim)

Proverbe (im Partnergespräch Suche nach einer Übersetzung bzw. Äquivalenz für ein französisches Sprichwort; sodann Gestaltung einer  Situation, in der man das Sprichwort anwenden könnte)

Expertenbefragung (die Schüler werden mit unterschiedlichen Informationen ausgestattet, sie befragen und informieren einander. Beispiele: Vorgabe unterschiedlicher Texte oder Textteile, über die bei „Experten“ Informationen einzuholen sind; Aussparung der Legenden einer Bilderserie, nur einzelne Schüler verfügen über die Lösung o.ä.).

 

  • Beispiele für visuelle Impulse

Postkartenpuzzle (Partnersuche durch gegenseitiges Beschreiben von zwei identischen Postkarten oder Postkartenhälften; ggf. Suche aufgrund thematisch verwandter Postkarten)

Bildbeschreibung (gegenseitig, in Partnergesprächen, ggf. Benennen von Unterschieden / Fehlstellen bei leicht veränderten Vorlagen)

Karikaturen (gegenseitiges Beschreiben, Erraten des Inhaltes, gemeinsame Kommentierung)

Bildcollagen (Beispiel: Vergleich, Kommentierung, Wertung von zwei Bildkompositionen zur deutsch-französischen Versöhnung).

Erprobungen zum Sprechen motivierender Aktivitäten 

Walter Weitz lud die Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Arbeitskreises zur Erprobung  folgender zum Sprechen motivierender Aktivitäten ein

  • „Heißer Stuhl“ (auch „Fragengewitter“

Die Kursteilnehmerinnen und –teilnehmer befragen eine Person, die auf einem „Heißen Stuhl“ Platz genommen hat. Je nach Lernstand kann die befragte Person sein:

 

  • der Lehrer / die Lehrerin selbst
  • ein (noch unbekannter (Gast (Referendar/in, Student/in im Praktikum, Fremdsprachenassistent/in, Austauschschüler/in, Schüler/in einer anderen Lerngruppe)
  • fiktive Person aus Film, Literatur, Musik; aus behandelter Lektüre (Füllen von Leerstellen, die das Ausgangsmateriale gelass
  • Qui suis-je? Prominentenraten
  • die Teilnehmer/innen heften einander (verdeckt) vorbereitete Namensschilder mit Namen von Prominenten aus Politik, Sport, Musik, Geschichte, Literatur etc. auf den Rücken (doppelseitiges Klebeband auf folierten Namenskarten erlauben Wiederverwendung). Jede(r) versucht, durch Entscheidungsfragen herauszufinden, wer er oder sie ist.
  • Variante: Eine Teilnehmer/eine Teilnehmerin zieht verdeckt eine Namenskarte aus einem Stapel, die Gruppe muss durch Fragen herausfinden, um wen es sich handelt (Vorteile: schnelle und einfache Durchführung; lässt auch in den letzten fünf Minuten einer U-Einheit einbauen).

Simulationen:

Inszenieren von Situationen im Stil des Sprachendorfes mithilfe von Rollenkarten:

Beispiele:

– Anmeldung als neuer Schüler/neue Schülerin im Sekretariat des Collège

– Unterhaltung bei einem Schüleraustausch mit Vater und Mutter der Gastfamilie über

das bisher Erlebte, über die eigene Familie, die Heimatstadt etc.

– Simulation einer Einkaufssituation im „magasin de vêtements“.

 

  • Wortergänzungen

Wortschatzlisten oder ganze Texte werden mittels Tageslichtprojektor projiziert, wobei sie kleinen Papierstreifen teilweise verdeckt sind. Die Teilnehmer/innen ergänzen aus dem Kopf die fehlenden Wortteile (erhöhte Gehirnaktivität).

 

  • Uhrzeiten-Training (Anlage 2) 

Die Teilnehmer/innen erhalten je eine Karte mit der Ankündigung eines Ereignisses – die Uhrzeit ist ausgespart und befindet sich (in Ziffern) auf der Rückseite der Karte.

Sie gehen durch den Raum, indem sie die Karte vor sich halten, und lassen sich befragen, wann das Ereignis stattfindet. Sie geben die Information. Dann erfolgt Rollentausch.

 

  • Rollenspiel (Anlage 3) 

La famille, à 7 heures du matin, devant la salle de bains …

 

  • Sprechanlässe schaffen mit Bleistift und Papier … 

Walter Weitz berichtet von dem „Atelier: animer un cours de FLE avec un papier et un crayon“ beim Bundeskongress der Französischlehrerinnen und –lehrer 2013 in Bochum.

Schluss: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die ihrerseits viele Beispiele aus ihrem eigenen Unterricht beisteuerten, äußerten sich zufrieden über einen an Anregungen reichen und lebendig ablaufenden Nachmittag.

 

*) Anlagen (fachliche Tischvorlagen  zu der Veranstaltung, Vorschläge für Sprechaktivitäten im Unterricht  und Arbeitsmaterialien können bei der Absenderin dieses Berichts angefordert werden Anfordern


0 Kommentare


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.