Bericht über den 44. Arbeitskreis vom 27. März 2014

12. Juli 2014 AK Schule 0 Kommentare

Das CertiLingua-Label für mehrsprachige, europäische und internationale Kompetenz – eine Chance für den Französischunterreicht in NRW

Referent: Michael Rogge 

Bericht: Ingeborg Christ

Das CertiLingua-Projekt findet seit dem Ende seiner Pilotphase 2007 zunehmend das Interesse der weiterführenden Schulen nicht nur in NRW, sondern in ganz Deutschland und in vielen europäischen Ländern. Der Erwerb des Labels qualifiziert die Schülerinnen und Schüler in besonderer Weise  für ihre Zukunft im sprachlich und kulturell vielfältigen Europa. Der Referent, Herr Michael Rogge, der bei der Ausarbeitung des Labels im Auftrag des Schulministeriums mitgewirkt hat und zur Zeit dessen Einführung an seiner Schule begleitet, konnte bestens das Profil und die Intentionen von CertiLingua darstellen sowie auch Fragen und ggf. Bedenken, die sich bei der Umsetzung ergeben, aufzeigen.

Was ist das CertiLingua-Label?
Es ist ein Zertifikat, das in Ergänzung zum Abiturzeugnis besondere Qualifikationen in einer europäischen / internationalen Dimension bestätigt. Es ist im Rahmen eines Verbundprojekts entwickelt worden, an dem sich seit seiner Einführung über 240 Partnerschulen in 18 Ländern beteiligen, u.a. in Frankreich, Belgien und in 11 Ländern der Bundesrepublik Deutschland. Inzwischen haben 2100 Schülerinnen und Schüler das Zertifikat erworben. Ein Förderkreis, zu dem Unternehmen und Hochschulen zählen, bestärkt und unterstützt den Erwerb des Labels.

Welches sind die Ziele des CertiLingua-Labels?
Das Label soll Schülerinnen und Schülern den Zugang zu international orientierten Studiengängen ermöglichen und ihnen berufliche Perspektiven im europäischen und internationalen Kontext eröffnen, indem sie erweiterte und  vertiefte sprachliche Kompetenzen in zwei modernen Fremdsprachen, Wissen und Urteilsvermögen zu europäischen und internationalen  Zusammenhängen und interkulturelle Handlungsfähigkeit durch Begegnung mit ausländischen Partnern und Arbeitskontakten erwerben.

Welche Anforderungen sind zu erfüllen? 

 

  • Schwerpunkt Sprache 

Das CertiLingua-Label, auch Exzellenzlabel genannt, setzt den Erwerb von zwei langlaufend durchgeführten modernen Fremdsprachen bis zum Niveau B2 des Europäischen Referenzrahmens voraus. In bilingualen Phasen verwenden die Schülerinnen und Schüler die Fremdsprache als Arbeitssprache mit Blick auf ihre Verwendung in Bildungs- und Berufszusammenhängen.

  • Schwerpunkt Interkulturelle Kompetenzen

Interkulturelle Kompetenzen im Sinne des CertiLingua-Programms werden durch eine europäische Schwerpunktsetzung im Schulprogramm gewährleistet, die den Erwerb von Kenntnissen über europäische und internationale Institutionen und Zusammenhänge sowie Verständnis und Urteilsvermögen fördert und den Erwerb interkultureller Handlungsfähigkeit im Rahmen eines mehrtägigen Begegnungsprojekts ermöglicht. Geeignete Begegnungsprojekte sind insbesondere individuelle Betriebspraktika im Ausland, bei denen sich sprachliches Handeln und interkulturelle Erfahrung in beruflichen Zusammenhängen verbinden. In einer Dokumentation berichten die Schülerinnen und Schülern in einer ihrer beiden Fremdsprachen über ihre Erfahrungen, indem sie diese  unter einer von ihnen selbst gewählten Fragestellung, über das Erleben hinaus,  zum Gegenstand interkultureller Reflexion und Problematisierung machen. Die Berichte werden in der Bezirksregierung ausgewertet.

Gibt es Rückmeldungen zur Wirkung des Erwerbs des Labels?
Wie der Referent berichtet, lassen Rückmeldungen aus den Schulen erkennen, dass sich die Bewerber und Bewerberinnen um das Label im Verlauf des Projektes hinsichtlich ihrer Verantwortung für ihr Lernen, ihrer Selbstständigkeit und der Entwicklung ihrer Persönlichkeit positiv verändern. Die Absolventen berichten von äußerst ermutigenden Erfahrungen bei der Vorlage des Labels etwa bei einer Bewerbung für einen internationalen Studiengang, einen Studienplatz, bei dem ein Sprachzertifikat vorausgesetzt ist, und ähnlich auch bei Vorstellungsgesprächen in Wirtschaftsunternehmen oder bei der Kandidatur um ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Hat das CertiLingua-Programm Rückwirkungen auf die beteiligten Schulen?

 

  • Europäisches Schulprofil 

Herr Rogge sieht in dem CertiLingua-Projekt eine Chance für die Qualitätsentwicklung der beteiligten Schulen: es trägt zur Schärfung eines internationalen europäischen Schulprofils bei, indem es erlaubt, Angebote in einzelnen Fächern und Projekten zu bündeln und der Schule ein Profil zu geben.

  • Stärkung der Fremdsprachen /eine Chance für den Französischunterricht  

Das CertiLingua-Angebot verstärkt den Anreiz, Fremdsprachen zu lernen. Herr Rogge konnte an Zahlen belegen, dass an Schulen mit diesem Programm das Französische zunehmend in der Oberstufe fortgeführt wird; er sprach diesbezüglich sogar von einer „Trendwende“.

 

  • Anreiz zur Einführung bilingualer Module 

Das CertiLingua-Programm fördert die Einführung bilingualer Module nicht nur in der englischen Sprache, sondern auch in Französisch und in anderen Sprachen. Es gibt Angebote in Geschichte und Geographie sowie auch in weiteren Fächern wie Wirtschaft, BWL, Pädagogik und Religion. Das Lehren und Lernen der Sprachen und in den betroffenen Sachfächern erhält dadurch neue Impulse.

  • Neue Impulse und Erfahrungen durch die Betriebspraktika

Die internationalen Betriebspraktika beleben das Sprachenlernen durch neue Aspekte und bringen den Schulen Kontakte z.B. zu Unternehmen, die sich für das Projekt interessieren und es im Rahmen des Förderkreises unterstützen.

Praxis-Beispiele
rei Schülerinnen des Grafschafter Gymnasiums Moers, begleitet von ihrem Lehrer, Herrn Bernd Klähn, stellten ihre Erfahrungen vor, die sie im Rahmen von CertiLingua bei ihren interkulturell orientierten Betriebspraktika im Ausland gemacht hatten. Ayse  Akdemir berichtete von ihrem Praktikum in einer Apotheke in Istambul (Türkei), Elena Piekarowitz hatte Arbeitserfahrungen in einem Lebensmittel-Einzelhandelsgeschäft in Frankreich machen können und Christine Piehl  stellte ihre Arbeit in einer Niederlassung der Modefirma „H. und M.“ in Venlo (Niederlande) vor. Interkulturelle Perspektivierungen ergaben sich im Vergleich mit Kenntnissen aus entsprechenden Arbeitskontakten in Deutschland oder in anderen Ländern, so etwa der Umgang mit Kunden, die Beziehungen der Angestellten untereinander oder Schwerpunkte im Firmenprofil.

Ergänzend berichtete Herr Jürgen Donat, Buchhändler aus Duisburg,  aus der Perspektive des Co-Organisators von Schülerpraktika für die Mittelstufe (in Zusammenarbeit mit dem Landfermann-Gymnasium Duisburg) und des Betreuers von Praktikanten aus Frankreich, die er in seiner französischen Buchhandlung beschäftigt. Als weitere Praxis-Beispiele stellte Herr Rogge drei ausgeführte Berichte von Absolventen zur Verfügung.

Die Beispiele aus der Praxis ergänzten den Vortrag vorzüglich, indem sie die Bedeutung der Praktika im Rahmen des Projekts CertiLingua und die Funktion der interkulturellen Recherche und Perspektivierung sehr anschaulich machten. Die Zuhörerinnen und Zuhörer dankten für diese erhellenden und konkreten Beiträge mit sehr herzlichem Applaus.

Praktische Hinweise
Herr Rogge gab viele Hinweise und Anregungen, wie interessierte Schulen sich über das Projekt informieren und sie sich bewerben können, CertiLingua-Schule zu werden. Kompetente Beratung in allen Fragen und Unterstützung erteilt die zuständige Bezirksregierung Arnsberg (Frau Jacob). Weitere Informationen finden sich unter www.certilingua.net. Bei der anschließenden Suche nach Praktikumsplätzen helfen erfahrungsgemäß gern Unternehmen mit Auslandskontakten. Zum Gelingen der bilingualen Module trägt ein besonderes Projekt (BiliSE, Bilingualer Unterricht Sections Européennes) mit Unterrichtsmaterialien bei. Für die Begegnungsprojekte kann finanzielle Unterstützung beim Deutsch-Französischen Jugendwerk und bei dem Europa-Projekt Comenius beantragt werden.

An den Schulen ist eine verantwortliche Person als Koordinator für das Programm zu berufen. Für Planungen ist wichtig zu wissen, dass zur fachlichen Durchführung des Projekts keine zusätzlichen Personen benötigt werden. Die Anforderungen können im Rahmen des schulischen Angebotes durch Bündelung von Aktivitäten und Kooperation von Fächern erfüllt werden.

Schluss
Trotz Befürchtungen wegen des für den 27. März 2014 angekündigten Streiks in der Region und in der Stadt konnte der 44. Arbeitskreis problemlos stattfinden. Den Teilnehmer/innen wurde eine äußerst interessante, erhellende und nicht zuletzt dank der Praxis-Beispiele sehr anschauliche Darstellung des CertiLingua-Exzellenz-Labels für mehrsprachige, europäische und internationale Kompetenz geboten. Dabei wurden die positiven Wirkungen sehr deutlich, die sich für die Bewerberinnen und Bewerber, für die Schulen und speziell auch und gerade für den Französischunterricht daraus ergeben. Sehr zu danken war, dass es dem Referenten ausgezeichnet gelang, die Vorträge der weiteren Beiträgerinnen und Beiträger flexibel in seine klar und systematisch strukturierten Ausführungen einzufügen, und er den Teilnehmerinnen und Teilnehmern äußerst hilfreiche Materialien zur Berichterstattung an den Schulen zur Verfügung stellte. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dankten gern für einen äußerst informativen, lebendig gestalteten und anregenden Nachmittag.

 


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