Bericht über den 53. Arbeitskreis für Französischlehrkräfte vom 28. Januar 2016

15. Februar 2016 AK Schule 0 Kommentare

„Erfolgreich Französisch lernen durch produktive Lernaufgaben“

Referent: Peter Winz

Wenn Peter Winz als Referent auf dem Programm steht, ist regemäßig „salle pleine“ zu verkünden. So war es auch beim 53. Arbeitskreis, der in Kooperation mit dem Verlag Cornelsen, vertreten durch Herrn Jürgen Lohmann, Schulberater Vertriebsgebiet West, durchgeführt wurde. 35 Lehrkräfte füllten den Saal im Café Museum bis zum letzten Platz und folgten mit interessierten und gleichzeitig heiteren Mienen den Ausführungen des Referenten,  der sein Publikum zu fesseln und zum gemeinsamen Agieren in der Fremdsprache anzuregen wusste.

Ausgangspunkt war die Definition des Begriffs „Lernaufgaben“ als Gelegenheiten zu sinnvollem, subjektorientiertem, lebensnahem  Sprechen und Schreiben, bei denen  reale und virtuelle Kontakte geknüpft werden, die von den Schülern kreativ mit- und ausgestaltet werden, in denen Erkundungsprojekte vor Ort und im frankophonen Ausland geplant und durchgeführt und mit Recherche-Vorhaben verbunden werden. Lernaufgaben in diesem Sinnen werden von den Schülerinnen und Schülern „hier und jetzt als sinnhaft wahrgenommen“ (Winz). — Die Konkretisierung erfolgte anhand einer Fülle von Beispielen zu folgenden Bereichen:

Handlungsfeld Französischunterricht:

Dieses Handlungsfeld betrifft die Kompetenz, das Klassengespräch (discours en classe) in der Fremdsprache zu führen. Die Schülerinnen und Schüler erwerben kontinuierlich die nötigen sprachlichen Mittel, um sich mit der Lehrkraft und untereinander im Unterricht und über ihren Unterricht und ihren Lernprozess in französischer Sprache auszutauschen. Dieses Handlungsfeld wird vom ersten Tag des Französischunterrichts an angelegt und bis zur Sekundarstufe II stetig erweitert. Im Anfangsunterricht geht es um Ausdrücke wie „Répétez, svp ; C’est à toi und J’ai une question.  Dazu gehören Sprachmuster für immer wiederkehrende kommunikative Rituale wie Begrüßung, Vorstellung, Datumsangabe, Hinweise auf das Wetter u.a.m.[1] Geschult, gefestigt und angewendet wird das sprachliche Repertoire bei Übungen in Form der expression simultanée, in schriftlichen Zusammenstellungen, Schemata, Vokabelprotokollen und Vokabelplakaten sowie in kleinen Schülervorträgen und selbst erstellten, auch lustigen Szenen. Im fortgeschrittenen Unterricht ist an Präsentationsaufgaben zu denken wie, beispielsweise, das Lieblingslied in der Fremdsprache vorzustellen („Ma chanson préférée“), woraus sich Anlässe zu Stellungnahmen sowohl zum Inhalt als auch zur Form der Präsentation bieten.

Themenbereich Kreative Lernaufgaben, „Spectacle poetique“

Mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung wurden Beispiele erprobt, poetische Texte von Anfang an in den Französischunterricht einzubringen. Der Vortrag von Gedichten und Mitmachliedern wird in Partner- und Gruppenarbeit gestisch und stimmlich gestaltet als Dialog, als Sprechgesang, in rhythmischem Vortrag, als Rap, als Pantomime mit voix off oder als  kleine Szene und Choreographie. Es bieten sich auch eigene Kreationen  nach dem Modell der Texte sowie ergänzende Illustrationen an. Die Ergebnisse werden zu einem „spectacle poétique“ zusammengefügt, das in der Parallelklasse, beim Elternabend, beim Tag der offenen Tür oder beim Schulfest präsentiert wird, oder auch als Video-Präsentation der französischen Partnerschule übermittelt.

Solche kreativen Aufgaben lassen sich verschiedentlich auch mit grammatischen Übungen verbinden, z.B. bei der Erstellung kleiner Erzählungen nach einem Vorbild, das den Gebrauch von Passé composé und  Imparfait konkretisiert, oder einer fantastischen Geschichte, die im Hinblick auf die Fragestellung Que feriez-vous si …? den Gebrauch des Conditionnel erfordert.  

Handlungsfeld „Erkundungsprojekt im Ausland“

Herr Winz erinnerte an die Lernaufgabe „Excursion à Verviers en Belgique“, deren einzelne Schritte (vorbereitende Aufgaben der Information und Recherche zur Stadt Verviers; Rallye; Erfragen des Weges; Besorgungen machen; Interviews führen; Schreiben einer Postkarte u. ä.) er bei einem früheren Arbeitskreis näher vorgestellt hatte.[2] — Als weiteres virtuelles Erkundungsprojekt wurde das Thema „Bienvenue sur le continent africain“ mit Musik und Chansons angesprochen.

Weitere Anregungen

Eine Fülle weiterer Beispiele von Lernaufgaben enthält die von Herrn Winz dankenswerter Weise zur Verfügung gestellte umfangreiche Tischvorlage, die auf die Lehrwerke „A Plus“ und „A toi“ des Verlags Cornelsen verweist.

Fazit und Dank

Zentrales Konzept bei Lernaufgaben ist es, die Sprachkompetenz in kommunikativen Zusammenhängen zu erweitern, bei denen die Schüler als Person betroffen sind, sie sich und ihre Welt einbringen und bei denen sie ausdrücken können, was sie bewegt, was sie kennen, was sie lieben. Der 53. Arbeitskreis bot zahlreiche Gelegenheiten, aktiv die Vorschläge des Referenten zu erproben und war daher ein gutes Beispiel für die motivierende Wirkung solcher „sinnvoller Lernaufgaben“.  Das Publikum dankte Herrn Peter Winz für diese lebendige, lebensnahe, die Teilnehmenden betreffende Veranstaltung.  Gedankt wurde auch sehr herzlich Herrn Jürgen Lohmann vom Verlag Cornelsen,  dem es zu danken ist, dass die Lehrkräfte mit anregenden Materialien versehen den Heimweg antreten konnten.

(Berichterstatterin: Dr. Ingeborg Christ)

[1] Rituale im Französischunterricht: www.cornelsen.de/home/katalog/material.1.c.3292977.de

[2] Vgl. Bericht zum 16. Arbeitskreis vom 25.9.2008 in: Christ, I. & Hebel, U. (Hrsg.) (2015): Ideen für einen motivierenden Französischunterricht. Dokumentation und Berichte aus 50 Veranstaltungen des Arbeitskreises für Französischlehrkräfte. Deutsch-Französische Gesellschaft  Duisburg, S. 50).


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