Bericht über den 54. Arbeitskreis für Französischlehrkräfte „Musik im Französischunterricht“ am 17. März 2016

4. April 2016 AK Schule 0 Kommentare

Bericht über den 54. Arbeitskreis für Französischlehrkräfte

„Musik im Französischunterricht“ am 17. März 2016 im Stadtarchiv Duisburg

Referent: Steffen Obeling

Das Thema lockte nahezu fünfzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, und sie wurden durch einen in vielfältiger Weise inhaltsreichen und anregenden Vortrag belohnt. Einleitend erläuterte der Referent die Intention seines Beitrags. Es gehe ihm in dieser Veranstaltung nicht darum, eine Unterrichtsreihe zu Chansons oder zu einem Sachthema (bspw. „Paris im Chanson“) vorzustellen. Vielmehr wolle er zeigen, wie in allen Stufen des Französischunterrichts, vom ersten Lernjahr an bis in die Oberstufe, der Französischunterricht durch den Einbezug von Musikstücken lebendig, schülernah und motivierend angereichert und zugleich kompetenz- und lehrplanorientiert angelegt werden kann.

Funktionen von Musikstücken im Französischunterricht
In der Perspektive des Französischunterrichts definierte der Referent Chansons und moderne Formen wie Raps als Texte mit bestimmten Inhalten, die in je eigener Weise musikalisch gestaltet und im Unterricht unter beiden Aspekten erfasst und untersucht werden. Musikstücke dienen der Auflockerung, sie ermöglichen es, kulturelle Zusammenhänge zu entdecken und auch interkulturelle Erfahrungen zu machen, und sie enthalten ein Lernpotential in sprachlicher Hinsicht, das bei der Schulung aller Kompetenzen vom Sprechen bis zur Sprachmittlung wirksam werden kann.
Fragen zum Einsatz von Musikstücken
Beim Einsatz eines Musikstücks m Französischunterricht stellen sich Vorfragen wie die, in welchen Kontext es passt, wie es sich mit der Gesamtthematik des Unterrichts vernetzen und an welcher Stelle in den Progressionszusammenhang einbauen lässt. Als authentische Hörtexte enthalten Musikstücke viel Motivationspotential, aber sie sind manchmal auch schwer zu verstehen und erfordern Verstehenshilfen. Andererseits enthalten sie durch wiederholt auftretende Refrains sowie auch die Reimstruktur Behaltenshilfen und tragen zur Einprägsamkeit sprachlicher Strukturen bei. Des Weiteren stellen sich praktische Fragen wie diese: Wo findet die Lehrkraft geeignete Musikstücke (die Lehrwerke sind zunehmend Quellen für Chansons), entspricht das gewählte Stück dem Geschmack der Jugendlichen und wie lässt sich ggf. deren Geschmack bilden? Auch rechtliche Probleme des Copyright waren ein Thema, zu deren Lösung Herr Obeling ein kleines Kompendium bereitstellte.

Didaktisch-methodische Handlungsfelder
Der Referent konkretisierte seine Intention eines kompetenzorientierten Umgangs mit Musikstücken im Französischunterricht anhand vieler Beispiele, aus denen im Folgenden einige zusammengefasst werden. (Genauere Hinweise ergeben sich aus dem von Herrn Obeling dankenswerter Weise zur Verfügung gestellten Materialdossier).

Linguistische Kompetenzen
• Wortschatz:
Herr Obeling beobachtet, dass sich im Zusammenhang mit motivierender Musik Vokabular zu bestimmten Themen besonders gut einprägt. Anhand des Chansons Un monde parfait von Ilona lassen sich Wortfelder zu den Themen animaux, couleurs, mots météorologiques anlegen. Der Auftrag, beim wiederholten Hören in der Textvorlage die Wörter zu diesen Feldern zu markieren, enthält gleichzeitig eine Aufgabe zum diskriminierenden Hören. Weitere lexikalische Bereiche sind Redemittel zum Vorstellen eines Liedes, zum Sprechen über dessen Stil, zur Kennzeichnung der Textstruktur (Strophen, Verse, Wortwahl, Refrain), zur Äußerung über die musikalische Gestaltung (Melodie, Rhythmus, Instrumente) sowie zur Formulierung eines eigenen Urteils. Schließlich gehören dazu auch Redemittel zum Unterrichtsdiskurs wie Nachfragen etwa beim Hören eines Textes.
• Grammatik:
Authentische Lieder bieten auch Anlässe zum Erwerb und zur Einübung sprachlicher Strukturen. Das Chanson Non ! Non ! Non ! von Camélia Jordana bspw. erlaubt die Festigung der Struktur der Verneinung (Je ne veux pas …- je veux), Alors on danse von Stromae bietet Anlass zur Anwendung der Struktur Qui dit … dit… („Qui dit parents dit protection).

Kulturelle und Interkulturelle Kompetenzen
Liedtexte sind authentische Texte mit Bezügen zur kulturellen Wirklichkeit des Künstlers, die häufig in Musikvideos verdeutlicht wird und zu Vergleichen mit den eigenen Lebensumständen der Schülerinnen und Schüler anregt. Beispiele hierfür waren das Lied Grenzgänger / Frontaliers des grenzüberschreitenden Zwillingsduos DOUBLE Deux / Zweierpasch aus Saarbrücken, das Chanson Ouvrez les frontières des südafrikanischen Sängers Tiken Jah Fakoly, das, obwohl bereits mehrere Jahre alt, als Beitrag zur aktuellen Situation der Flüchtlinge gewertet werden kann, sowie Alors on danse, in dem Stromae das Individuum in der Arbeitswelt zeigt. Aurélie, Lied der deutschen Gruppe Wir sind Helden, thematisiert die interkulturelle für Jugendliche belangreiche Frage, wie man in Deutschland und wie in Frankreich flirtet, und kann zu weiteren interkulturellen Überlegungen führen sowie auch Ausgangspunkt für „Sprachmittlung“ (s.u.) sein.

Kommunikative Kompetenzen
• Hören, Hörsehverstehen, Lesen
Musikstücke bieten, wie alle Texte, Anlässe zu Aufgaben der compréhension, analyse und commentaire. Darüber hinaus ist mit ihrer Präsentation Hörverstehen verbunden, wobei, je nach Text, sich gerade hierbei große Schwierigkeiten ergeben können, sei es aufgrund der begleitenden Musik, des hohen Sprechtempos, umgangssprachlicher Wendungen oder auch, wie bei Texten der Frankophonie, infolge von Varianten der Aussprache. Allerdings lassen sich solche Schwierigkeiten durch geeignete methodische Maßnahmen reduzieren, wie Herr Obeling an einigen Beispielen aufzeigte:
– Ein Musikvideo wird zunächst ohne Text dargeboten, und erst nach dem Gespräch über die Bilder folgt der komplette textbegleitete Vortrag.
– Parallel zu einem umgangssprachlichen Text wird eine Version in Standardsprache vorgelegt („Brückentext“).
– Eine schriftliche Version wird in Teilen ausgehändigt, die beim Hören zu identifizieren und anschließend in gemeinsamer Arbeit zusammenzufügen sind.

Wenn die Texte als Hörtexte geboten werden, bieten sich Verfahren an wie
– Globalverstehen: Fragen nach Situation, Thema, Kernaussage (wer spricht in welcher Situation mit wem worüber?)
– Selektives Verstehen: Hören einiger gezielt erfragter Informationen (bspw. aufgrund von Vrai-faux – Aufgaben);
– Detailverstehen: Verstehen von Nüancen und Details (Arbeitsblatt zum Ankreuzen gehörter Details; Ergänzen eines Lückentextes beim wiederholten Hören).

Im Hinblick auf solche Schwierigkeiten wies der Referent darauf hin, dass im Abitur für den Kompetenzbereich Hörverstehen keine musikbegleiteten Hörtexte vorgelegt werden, und er rät auch von solchen Vorlagen in anderen Prüfungen ab.
• Sprechen / Schreiben
Lieder regen zu spontanen mündlichen Äußerungen über Höreindrücke an, bieten aber auch Anlässe zur inhaltlichen Auseinandersetzung und zum Schreiben. Die Schülerinnen und Schüler können im ersten Lernjahr schon in einfachen Worten zu ihren Präferenzen Stellung nehmen, im 2. Lernjahr ihren bevorzugten Sänger vorstellen, im 3. Lernjahr die Biographie einer fiktiven Person nach Hinweisen in einem Chanson erstellen oder in einer Rubrik „Musique“ etwa für eine Schulzeitung Steckbriefe von Musikern erstellen.
Kompetenzbereich Sprachmittlung
Bei Sprachmittlung geht es grundsätzlich darum, einem Partner der anderen Sprache etwas verständlich zu machen. Im Zusammenhang mit Musik kann man einem frankophonen Hörer ein Lied des eigenen Landes vorstellen, wobei ggf. auch verdeutlicht wird, wie dessen Erfolg im eigenen Land zu erklären ist. Dies ist gleichzeitig ein weiteres Beispiel für interkulturelles Lernen anhand von Musikstücken.

Fazit und Dank
Herrn Obeling wurde für seinen inhaltsreichen Beitrag sehr herzlich gedankt. Der Referent wies von sich aus auf aktuelle Ereignisse an Kölner Schulen hin, die unter dem Titel „Abiturkrieg“ traurige Berühmtheit erlangt haben. Umso wichtiger sei es, den Schülerinnen und Schülern Angebote von Texten und Materialen zu machen, die sie betreffen, damit sie lernen, sich mit Argumenten auseinander zu setzen und nicht mit der Faust oder noch schlimmer mit Waffen.
Zur Nachhaltigkeit der Informationen sorgte das umfangreiche Materialdossier, das Herr Obeling zur Verfügung stellte. Herr Minhoff vom Verlag Klett bot darüber hinaus eine Ausstellung von Schulbüchern und Materialien und versorgte die Teilnehmenden dankenswerter Weise mit dem neuesten Band des Lehrwerks Découvertes, in dem einige der Vorschläge des Referenten bereits eingearbeitet sind (z.B. Découvertes 3, 1, „Non ! Non ! Non !“).
Besonders ist auch der Veranstaltungsort hervorzuheben. Es war dies das kürzlich umgebaute und modernisierte Duisburger Stadtarchiv am Karmelplatz, das hinsichtlich Raumgröße, Einrichtung und insbesondere medialer Ausstattung einen optimalen Rahmen für den Vortrag bot. Der Leiter des Archivs, Herr Dr. Pilger, hieß die Lehrkräfte willkommen und lud dazu ein, die Angebote des Archivs zu nutzen. – Zur Organisation der Veranstaltung und zur Stärkung der zum Teil von weither angereisten Lehrkräfte hatten Mitglieder der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg, Klaus Jankus, Dr. Dagmar Troost und Erika Troost tatkräftig beigetragen. Es ist daher Anlass, vielfach zu danken für einen interessanten und gelungenen Nachmittag.

(Bericht: Dr. Ingeborg Christ)

Dr. Ingeborg Christ/ Ulrike Hebel (Foto: Zoltan Leskovar)

Dr. Ingeborg Christ/ Ulrike Hebel (Foto: Zoltan Leskovar)

 


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