Bericht über den 55. Arbeitskreis vom 16. Juni 2016, Grammatikspiele im Französischunterricht

11. Oktober 2016 AK Schule 0 Kommentare

Referentin: Waltraud Schleser

Mit dem Einsatz von Grammatikspielen will Waltraud Schleser, die Referentin des 55. Arbeitskreises, den Lernenden zuweilen bestehende Ängste vor der angeblich schwierigen französischen Grammatik nehmen. Sie möchte zeigen, dass es sogar Spaß macht, sich mit ihr zu beschäftigen. Waltraud Schleser ist bestens ausgewiesen, diese Überzeugung zu vermitteln, hat sie doch in vielen Seminaren Lehrkräften und Dozenten das entsprechende Handwerkszeug zur Verfügung gestellt und ist in ihren Kursen bestrebt, den Lernenden die Übung grammatischer Strukturen spielend leicht zu machen. Ihre Vorstellungen und Erfahrungen hat Waltraud Schleser als Autorin in die Sammlung von Spielen eingebracht, die unter dem Titel La Grammaire par le jeu – Spiele mit der französischen Grammatik im Verlag Langenscheidt (Berlin, München) 1999 erschienen ist (3. Auflage 2001). — Im Verlauf des 55. Arbeitskreises wurden Grammatikspiele für alle Niveaustufen vorgestellt, die das gesamte Spektrum der französischen Grammatik betreffen. Die zahlreich erschienenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten die anregende Wirkung von Spielen zu Fragen der Grammatik an vielen Beispielen selbst erfahren und dabei ein Gefühl dafür entwickeln, welches Spiel bei welcher Gruppe unter welchen Bedingungen eingesetzt werden kann.

Das Spielangebot
Die Referentin geht von bekannten Gesellschaftsspielen aus, die sie auf grammatische Inhalte hin orientiert. So finden sich Spielformen wie Memory, Domino, Bingo sowie Puzzles, Würfel- und Kartenspiele in ihrem Angebot. Die Spiele werden für Partner- und Kleingruppen konzipiert, wobei nicht das Gewinnen im Mittelpunkt steht sondern die Freude am gemeinsamen Spiel und der dabei geforderten Bewältigung einer Aufgabe der Kommunikation. Logik gehört zur Lösung und sprachliche Geschicklichkeit, aber auch ein bisschen Glück, sodass der Spielcharakter der Aufgaben gewährleistet ist und alle Spielerinnen und Spieler, leistungsstarke ebenso wie weniger leistungsstarke, sich motiviert fühlen. Da dabei doch immer der eine oder andere gewinnt, gibt es auch kleine Belohnungen, Bildkärtchen mit französischen Redewendungen, die in einem farbigen Umschlag gesammelt werden können.

Bedeutung des Spielens für den Erwerb grammatischer Strukturen
Die Spiele, die Frau Schleser entwickelt und im Arbeitskreis vorgestellt hat, sind unabhängig vom Lehrwerk einsetzbar. Sie machen die betreffenden grammatischen Strukturen bewusst und geben Anlass zu anregender Wiederholung und Festigung und zu kreativer und phantasievoller Anwendung. Da Spiele unterschiedliche Lernkanäle durch kognitive, emotionale, ästhetische und haptische Reize ansprechen und vielfältige Emotionen wecken, stärken sie, so die Beobachtung der Referentin, in besonderer Weise die Behaltensleistung.

Themen der Grammatik für die Spiele
Grundsätzlich sieht Frau Schleser Möglichkeiten, alle grammatischen Strukturen in Form von Spielen einzuüben. Die an dem Nachmittag vorgestellten Spiele bezogen sich auf zentrale Themen der französischen Grammatik, die bei Lernenden immer wieder zu Fehlern führen wie beispielweise die unterschiedliche Verwendung von Passé composé und Imparfait; l‘emploi du subjonctif; Konditionalsätze eingeleitet mit Si…; direkte/indirekte Frage (qu’est-ce que, qu’est-ce qui /ce que, ce qui); Pronomen (Personalpronomen, Adverbialpronomen en/y); die Formen der Possessivbegleiter (mon, ta, son, leurs etc.); Angleichung des Adjektivs an das dazugehörige Nomen; Vergleich (Komparativ / Superlativ); die Formen von tout (tout le temps, toute la France, toutes les maison; tous les animaux); Mengenangaben (article partitif; pluriel de l’article indéfini – je désire du café ; des oranges); die Kollokationen jouer à / jouer de u.a.m.

Beispiele von Grammatikspielen
Wie die Referentin an mehreren Beispielen darstellte, lassen sich bekannte Gesellschaftsspiele abändern und auf einzelne grammatische Phänomene hin orientieren. Bei dem französischen Kartenspiel „Le Jeu des 7 familles“ geht es darum, durch Nachfragen ein komplettes Set von 7 Karten zu einem thematischen Zusammenhang zu erwerben (vgl. das deutsche Quartettspiel). Bei einer Orientierung auf grammatische Elemente sind Kartensets zu grammatischen Elementen zu vervollständigen (z.B. 6er-Sets zu unregelmäßigen Verben wie ALLER: je vais; ALLER: tu vas, etc. und weiteren). Auch ein Puzzle lässt sich auf ein Grammatikproblem hin orientieren, indem Puzzleteile mit Verbformen (z.B. die Formen von être und avoir) zu einem Ganzen zusammenzulegen sind. Das Domino-Spiel, das häufig zur Übung des Wortschatzes verwendet wird, lässt sich zur Übung grammatischer Elemente einsetzen, indem zu jedem Bild ein Adjektiv in unterschiedlicher Flexion gesellt wird, das mit dem Bild einer weiteren Karte zu kombinieren ist. Im Rahmen eines Würfelspiels (Jeu de l’oie) zum Thema „vacances l’année dernière et les années précedentes“ sind Sätze oder Satzketten zu vorgegebenen Verbformen im Passé composé bzw. im Imparfait zu bilden.

Auch kreative Aufgaben lassen sich mit einem grammatischen Lernziel verbinden. So lautet ein Auftrag an die Spieler, Karten mit sprachlichen Vorgaben (z.B. Verben im Infinitiv und temporalen Signalwörtern) reihum zu Sätzen zu ergänzen (je nach Ziel im Präsens oder in den Vergangenheitsformen), wobei der neu entstehende Satz mit dem vorhergehenden inhaltlich zusammenhängen muss. Aus solchen Satzketten entstehen in der Regel amüsante und überraschende Geschichten. Ähnlich kann mit Bildkarten verfahren werden, die zu Geschichten zu kombinieren sind.

Partnerspiele lassen sich durch Frage- und Antwortbögen orientieren: Partner A und Partner B, denen jeweils eine Information, z.B. die Uhrzeit eines Ereignisses, fehlt, erfragen diese wechselseitig beim Partner, der über die fehlende Information verfügt und sie entsprechend erteilen kann.

Der Referentin war darüber hinaus die Forderung wichtig, dass sich auch aus stärker formal orientierten Aufgaben Anregungen zum Gespräch über die Inhalte ergeben sollen. So kann sich bei dem Fragespiel nach Uhrzeiten zu bestimmten Aktivitäten von Personen ein kleines Gespräch über Vermutungen zu ihrem privaten oder beruflichen Alltag anschließen.
Dank
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten interessiert den Ausführungen der Referentin und ließen sich vom Aufforderungscharakter der Spiele zu engagierter Mittätigkeit anregen. Frau Schleser wurde mit lebhaftem Applaus für einen inspirierenden und motivierenden Nachmittag gedankt.

Vorher stellte Jürgen Donat die Orthographie-Reform in Frankreich vor, die nach 20 Jahren Vorlauf nun in diesem Schuljahr in Kraft tritt.
Alle wesentlichen Informationen finden Sie hier: http://www.orthographe-recommandee.info/
(Bericht: Ingeborg Christ)


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