Prof. Dr. Alfred Grosser zu Gast in Duisburg

5. Juni 2017 Allgemein, Top-Nachricht 0 Kommentare

Er ist 92 Jahre alt und wird nicht müde, aufzuklären, zu warnen, zu diskutieren und auch unliebsame Wahrheiten zu sagen. Der Politologe und ausgewiesene Kenner in deutsch-französischen Fragen Prof. Dr. Alfred Grosser hat am Mittwoch, den 31. Mai, in Duisburg ein umfangreiches Programm absolviert.

Am Vormittag besuchte er das Sophie-Scholl-Berufskolleg und diskutierte mit 120 Schülern Fragen zu Deutschland und Frankreich, zu Europa, der Flüchtlingspolitik und fordert hier Menschlichkeit ein, das Thema, das er auch in seinem neuen Buch „Le Mensch“ hervorhebt. Seine einzige Bedingung: „Keine Erwachsenen in den ersten vier Sitzreihen“ hat sich als klug und richtig erwiesen. So gab es keine Barriere zwischen ihm und den Schülern, die ihm interessiert und gebannt zuhörten und, wie Alfred Grosser es sich erhofft hatte, viele Fragen stellten. Noch am Abend zeigte er sich begeistert von der Diskussion mit den Jugendlichen.

Nach einem Besuch im Landschaftspark, von dem er sich beeindruckt zeigte, hielt er am Abend einen Vortrag vor gut 250 Gästen in der Salvatorkirche zu dem Thema „Gibt es noch ein europäisches Haus?“ Er erinnert an die großen Vorreiter der europäischen Idee und kommt danach schnell auf die aktuellen Probleme zu sprechen: das Auseinanderdriften der europäischen Staaten, der Brexit, die Flüchtlingsfrage. Er räumt mit Vorurteilen und Pauschalisierungen auf: „Es gibt nicht ‚die‘ Juden, ‚die‘ Deutschen, ‚die‘ Muslime, ‚die‘ Flüchtlinge, es gibt die Anderen.“ Dieses Thema hat ihn persönlich sein Leben lang beschäftigt, denn er wurde als deutscher Jude geboren und musste 1937 nach Frankreich emigrieren. Trotz dieser einschneidenden Erfahrung setzte er sich nach dem Krieg unermüdlich für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich ein. Mit dem neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron, den er von Anfang an unterstützt hat, hofft er auf einen neuen Aufschwung in den deutsch-französischen Beziehungen.

Das Publikum dankte ihm mit einem lang anhaltenden Applaus.

 

Der Besuch Alfred Grossers in Duisburg wurde möglich durch die Kooperation mit dem Institut Français Düsseldorf, der Stadt Duisburg, der DFG, Europe Direct, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, VHS, Universität Duisburg-Essen.


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