Die DFG Duisburg e.V.

Die Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg ist an der Jahreswende 1951 / 1952 aus dem Zusammenschluss der beiden Duisburger Vereine Deutsch-Französischer Volksbund und Deutsch-Französische Kulturgemeinschaft hervorgegangen. Der Deutsch-Französische Volksbund war 1928 in Duisburg gegründet, unter dem nationalsozialistischen Regime aufgelöst und 1947 wiederbegründet, die Deutsch-Französische Kulturgemeinschaft 1950 gegründet worden. Das gemeinsame Ziel der beiden Vorläufervereine und der Deutsch-Französischen Gesellschaft, die jetzt auf mehr als ein halbes Jahrhundert vielfältiger Aktivitäten zurückblicken kann, war es, nach den Schrecken der Weltkriege einen Beitrag zur Versöhnung der Völker, insbesondere zwischen Franzosen und Deutschen, und zur friedlichen Einigung Europas zu leisten. Im Austausch von Land zu Land und bei persönlichen Begegnungen sollten Vorurteile abgebaut und ein besseres gegenseitiges Kennenlernen gefördert werden. Durch historisch-politische Vorträge, kulturelle Veranstaltungen verschiedener Art und durch die Pflege der französischen Sprache sollte allen Duisburgern Gelegenheit geboten werden, ihr Wissen über Frankreich und seine Kultur zu vertiefen und mehr Verständnis für das Nachbarvolk zu gewinnen.

Bedeutend älter als der Deutsch-Französische Freundschaftsvertrag von 1963 und bereits in ihrer Existenz gefestigt, konnte die DFG Duisburg einen entscheidenden Beitrag zur Begründung der Städtepartnerschaft zwischen Duisburg und Calais im Jahre 1964 leisten und war auch maßgeblich an deren praktischer Ausgestaltung beteiligt. Ihr damaliger Vorsitzender Robert Fort, Franzose und Direktor der Tritonwerft, unterbreitete Oberbürgermeister Seeling den Vorschlag, Calais als Partnerstadt zu wählen, und half tatkräftig mit, den Gedanken in die Tat umzusetzen. Als geeigneter Anknüpfungspunkt erwies sich die Tatsache, dass der damalige Bürgermeister von Calais ein Schwager von General de Gaulle war, und dieser als französischer Staatspräsident im September 1962 der August-Thyssen-Hütte in Duisburg-Hamborn einen Besuch abgestattet hatte.

 

Die Stadtverwaltung honorierte den Einsatz der DFG für das Zustandekommen der Städtepartnerschaft, indem sie 1965 das Freundschaftskommitee Duisburg-Calais „in Personalunion mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft“ gründete und Robert Fort den Vorsitz antrug. Auch sein Nachfolger, Rechtsanwalt Ernst Etzel Hanisch, Vorsitzender von 1967 – 1974, hat gemeinsam mit der Konzertpianistin Alberte Brun-Michelis (Vorsitzende von 1980 – 1986) noch jahrelang die umfangreiche Korrespondenz erledigt, die im Zusammenhang mit der Städtepartnerschaft anfiel – wovon eine Reihe wohlgefüllter Aktenordner im Stadtarchiv dauerhaft Zeugnis ablegen. Als der Schriftwechsel mit der Partnerstadt ein Ausmaß annahm, das ehrenamtlich nicht mehr zu bewältigen war, ging er in die Zuständigkeit der Stadtverwaltung über. Jedoch blieben in Angelegenheiten der Städtepartnerschaft die Beziehungen zwischen der Stadtverwaltung und dem Vorstand der DFG stets sehr eng.

Nicht von ungefähr wurde die Historikerin Dr. Beate Gödde-Baumanns, Vorsitzende von 1986 – 2003, eingeladen, im großen Ratssaal der Stadt die Festvorträge anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft im Jahre 1994 und anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit im Jahre 2003 zu halten. Ihr Stellvertreter in den Jahren 1989 – 2003, Bernhard Böhme, der von 1974 bis 1988 beruflich im Dienste der Stadt Duisburg die Städtepartnerschaft betreut hatte, beantragte erfolgreich die Namensgebung des Calais-Platzes in Duisburg und stellte sich bis 2005 als ehrenamtlicher Übersetzer bei den jährlichen Treffen der Sportler aus den beiden Partnerstädten zur Verfügung. An der Ausrichtung der Feier zum 40. Jubiläum der Städtepartnerschaft waren der seit 2003 amtierende Vorsitzende Wolfgang Schwarzer und sein Vorstandsteam maßgeblich beteiligt.

 

Seit dem Jahre 1969 hat die DFG unter Federführung ihrer Mitglieder Prof. Dr. Herbert Christ und Dr. Ingeborg Christ dafür Sorge getragen, dass französische Theaterstücke durch französische Schauspieltruppen in Duisburg zur Aufführung gelangten. Etwa 50 Mal hat seither auf verschiedenen Bühnen das Französische Theater in Duisburg stattgefunden, davon zweimal im ausverkauften (!) Theater Duisburg. So wurden neben den monatlichen Conversationsabenden, die jahrzehntelang zuerst von Alberte Brun-Michelis und dann von Catherine Darnaud-Frey geleitet wurden, die alljährlichen Theateraufführungen zur zweiten Grundfeste im Leben der Deutsch-Französischen Gesellschaft.

 

Von den zahlreichen Vortragsveranstaltungen, zu denen die Gesellschaft im Laufe der Jahre allein oder gemeinsam mit anderen Partnern eingeladen hat, seien hier nur jene zwei erwähnt, die über die lokalen Grenzen hinaus publizistisch „verewigt“ sind: Die unvergessliche Festrede des damaligen Präsidenten des Europäischen Parlaments und langjährigen Oberbürgermeisters von Straßburg, Pierre Pflimlin, im großen Ratssaal über „Deutsch-Französische Freundschaft – Basis für die europäische Einigung“ aus Anlass der 100. Wiederkehr des Geburtstages von Robert Schuman und der 35. Wiederkehr der Unterzeichnung des Vertrages über die Montan-Union im Jahre 1986, worüber die Europäische Zeitung ausführlich berichtet hat.

Im Gedenkjahr an die 100. Wiederkehr des Beginns der Dreyfus-Affäre 1994 und im Zusammenhang mit dem AKZENTE-Thema des selben Jahres gelang es der DFG Duisburg, einen Enkelsohn des Hauptmanns Dreyfus, Dr. Jean-Louis Lévy, für den einzigen Vortrag zu gewinnen, den er in Deutschland gehalten hat – über „Macht und Moral in der Dreyfus-Affäre“. Obwohl er den Vortrag in französischer Sprache hielt, war der ursprünglich vorgesehene Hörsaal so überfüllt, dass der damalige Rektor der Universität Duisburg, Prof. Dr. Gernot Born, persönlich auf die Suche nach einem freien größeren Hörsaal ging. Diese Veranstaltung ist nicht nur in der Erinnerung der vielen Teilnehmer, sondern auch in der französischsprachigen wissenschaftlichen Literatur „verewigt“, wo sie in einem Rückblick auf das Dreyfus-Gedenkjahr in Deutschland eigens aufgeführt wird.

Ein einmaliges Ereignis blieb bisher die Präsentation der großen, vom französischen Außenministerium und dem Goethe-Institut Paris erarbeiteten Ausstellung „Deutsche Emigranten in Frankreich – Französische Emigranten in Deutschland, 1685 – 1945“, welche die DFG aus Anlass ihres 40-jährigen Bestehens 1992 in der Kundenhalle der Deutschen Bank Duisburg aufbauen durfte.

Neben dem Ernst kommt natürlich auch die Freude des Lebens im Programm der Gesellschaft gebührend zur Geltung – in Form zahlreicher Chansonabende, französischer Weinproben und Kochkurse, des seit 1989 alljährlich stattfindenden „Freundschaftsessens“ zum Jahrestag des deutsch-französischen Vertrages etc. Ihr 50-jähriges Bestehen konnte die DFG Duisburg im Januar 2002, kurz nach der Einführung des EURO-Bargeldes feiern, und so erhielten alle Teilnehmer des fröhlichen Festes eine funkelnagelneue 1-Euro-Münze französischer Prägung als Überraschungsgabe.

Die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich ist mittlerweile Realität geworden. Die Aufgaben der Gesellschaft bestehen nun unter anderem darin, mit der Pflege der französischen und deutschen Kultur das Erreichte zu festigen und die Vielfalt in der von kommerzieller Uniformität bedrohten europäischen Kultur zu unterstützen. Diese Ziele verfolgt die DFG in Kooperation mit zahlreichen Partnern in Duisburg. Stadtbücherei, Lehmbruck-Museum, Universität, Volkshochschule, Folkwang-Hochschule, Haniel-Museum, Theater Duisburg und Europa-Union gehören dazu. Die regelmäßig gezeigten französischen Filme in der Originalsprache füllen den Saal des Filmforum mit Zuschauern aller Generationen. Die vielfältigen Deutsch-Französischen Anlässe finden im öffentlichen Leben der Stadt Beachtung, wie auch zahlreiche offizielle Termine im Rathaus bezeugen.

Die DFG ist selbständig, aber sie steht nicht allein. Als Mitglied der Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften in Deutschland und Frankreich e.V. – deren Präsidentin ihre Vorsitzende Dr. Gödde-Baumanns in den Jahren 1995 – 2002 war – hat sie Verbindung in Deutschland mit ca. 150 und in Frankreich mit ca. 120 vergleichbaren Gesellschaften. Aus diesen Verbindungen ist nach dem Fall der Mauer auch die Partnerschaft mit der DFG Frankfurt / Oder entstanden, mit regelmäßigen Besuchen interessierter Mitglieder herüber und hinüber seit 1991.

goeddeDr. Beate Gödde-Baumanns, ehemalige Präsidentin der DFG Duisburg

 

 

 

wolfgang SchwarzerWolfgang Schwarzer, ehemaliger Präsident der DFG Duisburg

 

 

 

 Waltraud Schleser, Präsidentin der DFG Duisburg