Vom unbändigen Willen zu überleben

8. Juni 2016 Archiv 0 Kommentare

 Lesung mit Theodor Michael „Deutsch sein und schwarz dazu“
Erfolgreiche Veranstaltung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg im Juni 2016
Über 50 Personen fanden am Sonntagnachmittag den Weg ins Stadthistorische Museum, um an einer Lesung des Autors Theodor Michael teilzunehmen. Und das trotz sommerlicher Temperaturen und einem reichhaltigen Duisburger Freizeitangebot. Eingeladen hatte die Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg (DFG) in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Bildungswerk, dem Stadtjugendring und der VVN. Die Zuhörer bereuten ihr Kommen nicht. Die Auszüge, die Theodor Michael aus seinem Buch „Deutsch sein und schwarz dazu“ vorlas, waren spannend und machten zugleich betroffen. Theodor Michael wurde 1925 in Berlin als Sohn eines schwarzen Vaters aus der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun und einer deutschen Mutter geboren, war also Deutscher – aber eben mit dunkler Hautfarbe.

Nach schwierigen Jahren als Waise in der Weimarer Zeit, verschärfte sich Theodors Lage in der Nazi-Zeit. Als „negroidem Artfremden“ wurde ihm Schul- und Ausbildung verwehrt. Er überlebte, weil er in Völkerschauen vorgeführt wurde und durch Statisten-Rollen in Nazi-Kolonialfilmen, bis er 1943 doch in ein Zwangsarbeitslager kam. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs arbeitete Theodor Michael zunächst als Schauspieler. Nach einem Studium in Hamburg und Paris, ermöglicht durch die damalige Stiftung Mitbestimmung des DGB (heute Hans-Böckler-Stiftung), trat er in den Staatsdienst ein und ging schließlich als Regierungsdirektor in den Ruhestand. Theodor Michaels Schilderungen zeugen von einem unbändigen Überlebenswillen und Optimismus, wobei ihm in
schwierigen Situationen immer wieder sein christlicher Glaube geholfen hat.

Nach einer Stunde eröffnete Waltraud Schleser, Zweite Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft, die Diskussionsrunde. Neben zahlreichen ergänzenden Fragen zum Schicksal Theodor Michaels wurde der Bogen auch zu grundlegenden, aktuellen Fragen wie der heutigen Fremdenfeindlichkeit und dem schwierigen Umgang der Deutschen mit der Begrifflichkeit von Nation und Nationalismus geschlagen. Am Ende der Veranstaltung signierte Theodor Michael sein Buch, das sehr gefragt war.

 

 

 

 


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