38. Arbeitskreis vom 24. 1. 2013

16. Februar 2013 AK Schule 0 Kommentare

Guerre, occupation, libération – et réconciliation: Ein Beitrag im Französischunterricht zum  50. Jubiläum des deutsch-französischen Vertrags“
Referent: Dr. Armin Volkmar Wernsing

Fast auf den Jahrestag des Deutsch-Französischen Vertrags versammelte sich der 38. Arbeitskreis der Französischlehrerinnen und –lehrer im Internationalen Zentrum der Stadt Duisburg, um das 50. Jubiläum zu würdigen und sich zu fragen, wie die Botschaft des Traité de l’Elysée vom 22. Januar 1963 im Französischunterricht an die Jugendlichen weitergegeben werden könnte.

Die Bedeutung des Jubiläums – Anlass zu einer „positiven Erzählung“  

Zu feiern ist bei diesem Jubiläum die Verwirklichung einer großen Vision von Frieden zwischen Erbfeinden und von einem geeinten Europa, zu dem die deutsch-französische Versöhnung den Anfang gesetzt hat. Über manchen praktischen und technischen Problemen wird manchmal die „positive Erzählung“ vergessen: 8 Millionen von Jugendlichen sind sich seit Gründung des DFJW/OFAJ, einem „Kind“ des Vertrags, begegnet, auf allen Ebenen der Zivilgesellschaft, der Politik, der Wirtschaft, der Bildung, der Kultur besteht eine enge Zusammenarbeit mit vielfältigen Vernetzungen, die wiederum  gleichsam als Erprobungsfeld für die europäische Zusammenarbeit wirken. In allen Staaten des vereinten Europa bestehen Demokratien, in denen Meinungsfreiheit, Gleichheit vor dem Gesetz, Reisefreiheit, Bemühen um soziale Gerechtigkeit garantiert sind, Werte, für die die Menschen außereuropäischer Staaten heute noch unter Einsatz ihres Lebens erst kämpfen müssen. Gerade in diesem Jubiläumsjahr 2013, bei dem gleichzeitig an ein ganz anderes, finsteres Jahr zu erinnern ist, das Jahr 1933, in dem Hitler vor 80 Jahren die Macht in Deutschland ergriff, gibt eine Vorstellung davon, welcher Weg von der „Erbfeindschaft“ zur „Erbfreundschaft“ und zur europäischen Integration durchschritten wurde, zum Glück der heutigen Generationen, die Nutznießer dieser Entwicklung sein dürfen.

Der Referent des Nachmittags 

Dr. Armin Volkmar Wernsing, ist den Mitgliedern des Arbeitskreises aus seiner Tätigkeit als Fachleiter in der Lehreraus- und -fortbildung, als Autor fachdidaktischer Veröffentlichungen sowie auch durch interessante Beiträge im Arbeitskreis der Französischlehrerinnen und -lehrer zur Landeskunde bestens bekannt.

Die deutsch-französische Geschichte im Film

Der Referent erinnerte an den Weg zur deutsch-französischen Versöhnung und zur europäischen Einigung anhand eines Films, den er im Rahmen seiner Arbeit als Prüfer und Juror im Bundeswettbewerb Fremdsprachen erstellt hatte. Bilder aus den dunklen Zeiten des 2. Weltkriegs, Schützengräben, Ruinenfelder einer nordfranzösischer Stadt, angstvolle oder trotzige Gesichter von Kinder-Soldaten, die zu Hass und falschem Heldentum verführt waren, eine Handgranate von Widerständlern, die bei der Befreiung von Paris ein besetztes Auto in Brand setzt, und viele weitere Szenenbilder wurden vor Augen geführt, abgelöst schließlich von befreienden Bildern jubelnder Menschen beim Versöhnungstreffen von De Gaulle und Adenauer in Deutschland, der Unterzeichnung des deutsch-französischen Vertrages und der freundschaftlichen Umarmung der beiden Staatsmänner.

Der einstündige Film, von dem in der Veranstaltung ein zwanzigminütiger Auszug gezeigt wurde, diente im Zusammenhang des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen als Grundlage für eine Testprüfung zur Landeskunde. Vorausgesetzt waren bei den Prüfungsaufgaben die Kompetenzen „savoir, savoir regarder et savoir écouter”. Die Vielfalt der Perspektiven, in denen die Ereignisse des 2. Weltkriegs und der darin handelnden und leidenden Personen dargestellt sind, verbunden mit Testfragen, die nach einzelnen Zusammenhängen eingefügt sind, machen diesen Film zu einem außergewöhnlichen Unterrichtsmaterial. Zu seiner Wirkung trägt auch die Begleit- und Hintergrundsmusik bei, das Heulen der Sirenen zu Anfang, Wagners Ritt der Walküren bei Kriegsszenen, das Propagandalied des Vichy-Régimes, „Maréchal, nous voilà !“, das Widerstandslied „Chant des Partisans“ und schließlich Musette-Walzer bei der Libération und vieles mehr. Die „so verpackte Aufgabenstellung“, kommentierte der Referent, bewegte und begeisterte die Prüflinge im Sprachenwettbewerb. Dies sei der einzige Test, den er kenne, fügte er hinzu, bei dem die Prüflinge nach Abschluss Beifall klatschten.

Ein überraschendes Zitat aus dem 18. Jahrhundert
Herr Dr. Wernsing, der auch ein großer Kenner des 18. Jahrhunderts ist, überraschte mit einem Zitat des Frühaufklärers, Geistlichen und Sozialphilosophen Abbé de Saint-Pierre (1658-1743), aus dem die Sehnsucht der Menschen des 18. Jahrhunderts nach Frieden, nach Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit, Brüderlichkeit und europäischer Integration sprach. Diese Vision fand große Aufmerksamkeit bei Autoren wie Rousseau und später Kant, aber ihre Verwirklichung schien damals kaum vorstellbar. Wir dürfen sagen, und so lautete das Fazit der Veranstaltung, dass wir in Europa, beginnend mit der deutsch-französischen Versöhnung, die den Weg zur europäischen Einigung öffnete, erreicht haben, was viele Menschen vor uns wünschten. Gerade die Französischlehrkräften, die die bewegende deutsch-französische Geschichte kennen, die Erfahrung in der Begegnung mit Frankreich haben, die die Reisefreiheit in Europa schätzen und internationale Kontakte pflegen, sind berufen, die „positive Erzählung“ dieser im Film so anschaulich gewordenen Geschichte den heutigen Jugendlichen zu vermitteln.

(In dem historischen Zusammenhang wies der Referent auf die Möglichkeit hin, kostenlos in Handschriften, Originalausgaben, frühe Drucke etc. der Bibliothèque Nationale de France Einblick zu nehmen unter: http://gallica.bnf.fr/ark/

Fêtons les noces d’or de Marianne et Michel …
Einen beschwingenden Abschluss und ein weiteres Beispiel einer solchen „positiven Erzählung“ bot Walter Weitz mit dem Vortrag eines von ihm als auteur, compositeur, chanteur in französischer Sprache verfassten Liedes anlässlich des 50. Jubiläums des deutsch-französischen Vertrags, der „Goldhochzeit“ des französischen Paares, in dessen Refrain „Fêtons les noces d’or de Marianne et Michel“ die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit zunehmender Fröhlichkeit einstimmten. Es war fast eine Uraufführung, nachdem das Lied wenige Tage zuvor bei der Eröffnung der deutsch-französischen Woche durch den Bürgermeister der Stadt Duisburg im Rathaus erstmals und unter großem Beifall der Gäste vorgetragen worden war.

Dank
Die 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 38. Arbeitskreises bedankten sich mit sehr herzlichem und lebhaftem Applaus für den bewegenden, informativen und gleichzeitig optimistisch stimmenden und beschwingenden Nachmittag. (Bericht: Ingeborg Christ)


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