Autorenlesung: Marc Villard

4. Februar 2019 Allgemein, Top-Nachricht 0 Kommentare

Autorenlesung: Marc Villard

Eine gemeinsame Veranstaltung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg e.V. und der VHS

Moderation und Übersetzung: Wolfgang Schwarzer

Die Deutsch-Französische Gesellschaft und die Volkshochschule Duisburg präsentierten einen sympathischen und kommunikativen Schriftsteller, der in Frankreich zu den führenden Autoren seines Genres zählt. Eine deutschsprachige Sammlung von Texten aus seiner Feder ist vergriffen. Es wäre zu wünschen, dass dem Lesepublikum hierzulande sein Werk bald zugänglich gemacht wird. Es ist absolut faszinierend, bewegend und so spannend, dass man es, einmal angefangen, nicht mehr aus den Händen legen mag.

Roman noir und Film noir werden häufig dem Krimigenre zugerechnet. Betrachtet man die Geschichten, die ihnen zu Grunde liegen, mag dies nahe liegen. Was den Unterschied macht, ist der Blickwinkel. Hier steht nicht der Ermittler im Vordergrund und auch nicht die Frage nach Gut und Böse. Im Mittelpunkt steht der Mensch als Opfer und Täter zugleich und, besonders bei Marc Villard, sein soziales Umfeld.

Villard, Jahrgang 1947, ist durch den amerikanischen Traum wie durch Jazz- und Rockmusik der 1950er und 1960er Jahre geprägt. Genauso nachhaltig allerdings verinnerlichte er die Ablehnung der amerikanischen Politik und die Auflehnung der 68er Generation. Aus diesen Quellen speist sich die Erzählhaltung. Paris ist seine Stadt. Allerdings führen die Romane und vor allem an die 500 Erzählungen und Kurzgeschichten weit hinter die Fassaden von Glanz und Glamour ins Leben derjenigen, die zu den Verlierern in unserer Konsumgesellschaft zählen. In diesen Texten erleben wir Leser die Stadtteile jenseits der Touristenwege. Die nördlichen Arrondissements Belleville und Goutte d’Or sind oft Schauplätz der Handlung, so auch in seinem neuesten Roman LES BIFFINS (Die Lumpensammler), den er in Duisburg vorstellte.

Ort der Handlung ist oftmals aber auch ein Amerika, wie es Martin Scorsese in seinen Filmen schildert. Hier trifft der amerikanische Traum auf die harte Realität. Aus beidem destilliert Villard seine eigenen Mythen, die er zu packenden Erzählungen formt. Beispiel: SUR LA ROUTE AVEC JACKSON, ein kurzer Roman, der ein bewegendes fiktives Porträt des Künstlers Jackson Pollock mit der Odyssée zweier jugendlicher Bankräuber auf der Flucht vor ihren Verfolgern durch ein ländliches Amerika verbindet. Auch dieses neue Buch stellte Villard vor.

Moderiert und gedolmetscht von Wolfgang Schwarzer (DFG) erzählte Marc Villard, Graphiker, Schriftsteller und Drehbuchautor bei Film und Fernsehen, wie seine Texte entstehen. Wie intensiv visuelle Anreize und Musik als rote Fäden Geschichten hervorbringen, die auf psychologische  und soziale Hintergrundbetrachtung verzichten und sich auf das direkt Handeln seiner Personen konzentrieren. Es ist der Blick des Cinephilen und des Cineasten. Es ist die Schule der kurzen und pointierten Texte, wie sie ein Hemingway zu Klassikern der Literaturgeschichte gemacht hat und hinter denen die literarische Tradition seit Emile Zola und Dashiell Hammett sowie die Geschichte des Films seit dem film noir der 30er Jahre in Amerika und Frankreich steht. Marc Villard zielt auf den Leser, der seine eigenen Schlüsse ziehen will.

 


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