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Besuch am Arc de triomphe empaqueté: „Christo hat mich gepackt!“

Ein Bericht von Stefan Endell

Um es gleich vorweg zu sagen: Christo hat mich gepackt. Schon immer, schon seit langem. Jetzt sind Christo und seine Frau Jeanne-Claude zwar nicht mehr auf dieser Welt – und doch haben sie mich wieder einmal eingepackt und gleich fest verschnürt. Ich finde es wunderbar. Es begann damals für mich mit dem verhüllten Reichstag (1995), für uns Deutsche nach dem Mauerfall ein ganz besonderer Ort. Aber das ist ja eine andere Geschichte.

Jetzt stehe ich in Paris. Im sonnigen, spätsommerlich warmen Paris, am Ende der Champs-Elysée vor einem Kunstwerk, das mir schlicht den Atem verschlägt. Da steht dieses nationale Monument, das Symbol schlechthin der französischen Nation, der Triumphbogen am Places des Etoiles, sonntagsfein verpackt wie ein gigantisches Geburtstagsgeschenk. 25.000 Quadratmeter Stoff, hergestellt bei einer deutschen Firma an Niederrhein (Fa. Setex in Hamminkeln) und dann zugeschnitten und aufgehängt von den Luftwerkern aus Lübeck. 60 Jahre lang haben Christo und Jeanne-Claude an diesem Plan gedreht und gearbeitet (1961-2021).

Nein, dieser Arc empaqueté ist keineswegs würdelos, wie mancher Franzose vorher befürchtete und wie jetzt noch immer mancher Taxifahrer wütend schimpft. Im Gegenteil: Er wirkt sehr majestätisch, überaus würdevoll, weiterhin deutlich aufzeigend, wer hier den internationalen Triumph in Sachen Wahrnehmung und Bewunderung davonträgt, silbrig strahlend, manchmal fein glänzend in der starken Septembersonne. Ein Rausch der Sinne.

Und ich bin froh, nun endlich tatsächlich hier vor Ort sein zu können, um ihn zu bewundern, um um ihn herumzuspazieren, meine Nikon-Kamera läuft heiß, Hunderte von Fotos entstehen. Ich bin glücklich. Drumherum staunen und flanieren geschätzt mehrere Tausend Besucher aus aller Welt. Der Ort ist gut besucht, aber keineswegs überfüllt oder angsteinflößend. Für alle Besucher auf dem Platz, oder später oben auf der Terrasse des Triumphbogens bleibt der Besuch angenehm und absolut ungestört – die Organisatoren dieser Kunstaktion haben den Event sehr gut im Griff. An den Wochenenden (bis zum kommenden Sonntag, 3. Oktober) ist sogar der Place des Etoiles für den Autoverkehr gesperrt, was den Besuch des Kunstwerkes noch angenehmer für alle macht.

„Es wird aussehen wie ein lebendes Objekt, das sich im Wind bewegt und das Licht reflektiert“, so hat Christo sein Werk beschrieben, „Der wehende Faltenwurf wird die Oberfläche des Monuments sinnlich erscheinen lassen. Die Leute werden den Triumphbogen berühren wollen.“ Jawohl, genau dies kann ich so bestätigen. Ich habe ihn berührt, unten auf dem Platz und oben auf der Terrasse, mit einem herrlichen Blick auf Paris. Und ich habe mich über das kleine Stoffmuster gefreut, das man von den Mediatoren geschenkt bekommt (wenn man danach fragt), die um Christos Kunstwerk herum gehen und seine Kunst erklären.

Stoff ist wie eine zweite Haut“, so kann man Christos Worte in dem schönen illustrierten Buch nachlesen, das überall an Verkaufsständen für 20 Euro zu erwerben ist . Weiter sagt Christ ebendort: „Selbst wenn ich den freien Blick auf die Dinge versperre, schaffe ich etwas Einladendes. Die Verwendung von Stoff ist schließlich etwas anderes als die Errichtung einer Mauer, die von Natur aus abweisend ist und ausgrenzt. Stoff ist ein sinnliches Material, das uns dazu anregt, herauszufinden, was darunter verborgen ist.“ Den tieferen Sinn auch dieser Aktion muss jeder für sich selber herausfinden. Christo und Jeanne-Claude geben niemals eine Botschaft vor. 

Wunderbar. Natürlich bin ich zweimal zum Triumphbogen gepilgert. Um nachzuschauen, ob  diese Verhüllung wirklich keine Fata-Morgana war, sondern das wahre Leben. Nein, alles war noch weiter zu sehen. Manche Besucher kommen sogar nachts an den Ort, dann sieht alles sehr kubistisch aus. Aber nicht mehr lange. Denn nichts im Leben ist ewig. Und alles, was Christo macht, ist vergänglich – das ist sein Konzept: Kunst auf Zeit. Was  bleibt, ist dann die schöne Erinnerung.

Praktische Hinweise: Am 3. Oktober 2021 begann der Abbau der Installation, die von den verstorbenen Künstlern Christo und Jeanne-Claude konzipiert worden war. Die Demontage soll bis zum 10. November dauern. Denn 11. November ist in Frankreich ein Feiertag, der u.a. am Triumphbogen an den Waffenstillstand von 1918 erinnert. Das verhüllte und verschnürte Wahrzeichen der französischen Hauptstadt konnte seit dem 18. September besichtigt werden. Mehr als 800.000 Besucher wurden nach Angaben der Veranstalter gezählt. (Text und Fotos: ©Stefan Endell). 


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