Mehrheit der Deutschen und Franzosen will vertiefte Zusammenarbeit

29. Juni 2016 Allgemein 0 Kommentare

Eine überwältigende Mehrheit der Deutschen und Franzosen ist für eine vertiefte europäische Zusammenarbeit und gegen nationale Lösungsansätze bei wichtigen Zukunftsfragen. Das geht aus einer aktuellen, binationalen Meinungsumfrage der beiden Forschungsinstitute infratest-dimap und TNS-Sofres im Auftrag des Saarländischen Rundfunks und des Deutsch-Französischen Journalistenpreises (DFJP) hervor.

Danach sprachen sich 83 Prozent in Deutschland und 77 Prozent der Befragten in Frankreich für eine noch engere Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsländer aus. Jeweils 70 Prozent sind für eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik. Die Wiedereinführung nationaler Währungen lehnen sieben von zehn Deutschen (71 Prozent) und zwei Drittel der französischen Bevölkerung (66 Prozent) ab.

Weitgehend einig sind sich die Deutschen und die Franzosen darüber hinaus hinsichtlich der Frage, ob die Zuwanderung nach Europa begrenzt werden sollte: 57 Prozent der Deutschen und 52 Prozent der Franzosen halten dies für notwendig. Außerdem sprachen sich 66 Prozent der Befragten in Frankreich für eine dauerhafte Wiedereinführung von Grenzkontrollen aus, während in Deutschland eine Mehrheit von 58 Prozent dies ablehnt.

Positive Ansichten über den Nachbarn dominieren

Das Ansehen Deutschlands und Frankreichs ist im jeweiligen Nachbarland weiterhin von großer gegenseitiger Sympathie geprägt. 85 Prozent der Deutschen halten den französischen Nachbarn für sympathisch, umgekehrt sind es drei Viertel (74 Prozent). In ähnlich hohem Maße sehen die Franzosen Deutschland als ein innovatives Land an (73 Prozent), wohingegen lediglich 54 Prozent der Deutschen den französischen Nachbarn als innovativ bezeichnen. Im Hinblick auf die Vertretung der eigenen Interessen schätzen jedoch die Franzosen die Deutschen (71 Prozent) als merklich egoistischer ein als die Deutschen die Franzosen (59 Prozent).

Ungeachtet von Meinungsverschiedenheiten auf politischer Ebene, beispielsweise bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise, hält eine Mehrheit der Menschen in Deutschland und Frankreich die deutsch-französischen Beziehungen nach wie vor für sehr stabil (81 Prozent Deutschland; 76 Prozent Frankreich). Allerdings bewerteten 14 Prozent der Deutschen und 17 Prozent der Franzosen das Verhältnis schlechter als noch vor einem Jahr.

Merkel in Frankreich weiterhin sehr beliebt

Bezüglich der Politik und ihres Führungspersonals ist das Bild ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich sowie der Bundestagswahl in Deutschland sehr unterschiedlich. So sind 61 Prozent der Franzosen mit der politischen Arbeit Angela Merkels sehr zufrieden bzw. zufrieden. Dagegen bewerten lediglich 38 Prozent der Deutschen die Arbeit des französischen Präsidenten François Hollande als positiv.

Hälfte der Befragten für Sanktionen bei Verstößen gegen die Presse- und Meinungsfreiheit

Vor dem Hintergrund der Vergabe des Deutsch-Französischen Journalistenpreises 2016 am Abend in Berlin wurde auch nach möglichen Sanktionen gegen EU-Länder gefragt, deren Regierung die Presse- und Meinungsfreiheit behindern. Rund die Hälfte der deutschen (51 Prozent) und der französischen Bevölkerung (52 Prozent) spricht sich in diesem Fall für die Einschränkung der Zusammenarbeit mit solchen Ländern aus.

Der Intendant des Saarländischen Rundfunks und Vorsitzende des Deutsch-Französischen Journalistenpreises, Prof. Thomas Kleist, sieht in den Ergebnissen der binationalen Meinungsumfrage ein klares Votum für Europa: „Die Ergebnisse zeigen, dass die anti-europäische Stimmungsmache, wie sie seit einiger Zeit von interessierter Seite in beiden Ländern betrieben wird, nicht wirklich greift. Das ist sehr ermutigend und unterstreicht darüber hinaus, wie wichtig es in der gegenwärtigen Situation ist, dass Deutsche und Franzosen zusammenstehen, um die europäische Krise zu überwinden.”

Für die Umfrage wurden jeweils 1000 repräsentativ ausgesuchte Wahlberechtigte in beiden Ländern befragt. Partner und Mitglieder des Deutsch-Französischen Journalistenpreises (DFJP) sind – neben dem Saarländischen Rundfunk (SR) als Federführer – das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), Deutschlandradio, France Télévisions, Saarbrücker Zeitung, ARTE, Deutsche Welle, SaarLB , Europe 1, Gustav Stresemann Institut, Le Républicain Lorrain, Deutsches Städte-Network, Radio France, Deutsch-Französisches Jugendwerk, Deutsch-Französische Hochschule, Fondation Robert Schuman und Stiftung Genshagen.

 

 

 

 

 

 

 

 


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