
Charles de Gaulle spricht im September 1962 vor Stahlarbeitern in Duisburg – ein symbolträchtiger Moment auf dem Weg zur deutsch-französischen Aussöhnung. Foto: unbekannt
🇫🇷🇩🇪 SO VIEL FRANKREICH STECKT IN DEUTSCHLAND
Eine weitere Folge unserer Filmreihe führt uns nach Duisburg – ins Jahr 1962.
🎬 Neu in unserer Mediathek: Ein weiterer Teil unserer Filmreihe „So viel Frankreich steckt in Deutschland“ ist fertig. Stefan Endell hat den neuen Beitrag „De Gaulle 1962 in Duisburg“ erstellt. Der Film erinnert an den historischen Besuch des französischen Staatspräsidenten bei den Duisburger Stahlarbeitern – und ist ab sofort in unserer Mediathek zu sehen.
Nur 17 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs reist der französische Staatspräsident Charles de Gaulle durch die Bundesrepublik. Seine historische Reise führt ihn nicht nur nach Bonn, sondern auch nach Duisburg – mitten hinein ins Herz der deutschen Stahlindustrie.
De Gaulle will dorthin, wo gearbeitet wird. Zu den Menschen an den Hochöfen und in den Stahlwerken. Gerade hier, im Ruhrgebiet, soll sichtbar werden, was wenige Jahre zuvor noch kaum vorstellbar schien: Aus ehemaligen Feinden werden Partner und Freunde.
Vor den deutschen Stahlarbeitern spricht de Gaulle darüber, welche Bedeutung dieser Moment für ihn hat. Dass er als französischer Präsident hier zu deutschen Arbeitern sprechen könne und von ihnen so herzlich empfangen werde, zeige, wie sehr Deutsche und Franzosen einander bereits vertrauten.
Es ist ein bemerkenswerter Moment der Annäherung – und ein starkes Symbol für die Aussöhnung beider Länder.
Wenige Monate später, am 22. Januar 1963, unterzeichnen Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer den Élysée-Vertrag. Die deutsch-französische Freundschaft bekommt damit ihr politisches Fundament.
Die Hochöfen sind geblieben. Und auch die Erinnerung daran, dass deutsch-französische Freundschaft nicht nur in Paris und Bonn Geschichte schrieb – sondern auch hier bei uns in Duisburg.
🎬 „So viel Frankreich steckt in Deutschland“, dies ist der Titel unserer Filmreihe zum gleichnamigen BUCH, in dem wir bereits ausführlich über Düsseldorf, Krefeld und auch Duisburg berichtet haben. ZUR MEDIATHEK.
DER FILMTIPP
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Eine besondere Bedeutung kommt dem zeitnah produzierten Farbfilm „Kein Tag wie jeder andere“ zu. Der Film dokumentiert die Rede und die frenetisch jubelnden Arbeiter im Walzwerk, weist aber vor allem sehr deutlich auf die Vorbereitungen des Staatsbesuchs hin – auf die Arbeit im Hintergrund, die entscheidend ist, für den erfolgreichen Verlauf eines Besuchs. Auf all die kleinen Dinge, die entscheiden, ob ein Besuch ein Erfolg oder ein Malheur wird, so wie es damals der Sprecher des Films, der später v. a. als Moderator und Leiter der Tagesthemen bekannt gewordene Hajo Friedrichs formuliert.
Der Film verstand sich ausdrücklich nicht als Werbefilm des Unternehmens, sondern als zeitgeschichtliches Dokument. Anders als klassische Unternehmensfilme verzichtete die Produktion bewusst auf werbliche Akzente. Die August Thyssen‑Hütte erscheint in dem Film stellvertretend für das Ruhrgebiet, ihre Arbeiterschaft für die deutsche Industriegesellschaft insgesamt. Durch die Darstellung von Gesten, Emotionen und Publikumsreaktionen besitzt der Film einen eigenständigen Quellenwert für die Erforschung politischer Symbolik, medialer Inszenierung und gesellschaftlicher Wahrnehmung der deutsch‑französischen Versöhnung zu Beginn der 1960er-Jahre, die sich aus schriftlichen Quellen allein nicht erschließen lassen.
Filmografische Angaben
Filmtitel: Kein Tag wie jeder andere [[A]]
Auftraggeber: August Thyssen-Hütte AG
Produktion: Dido Deutsche Industrie- und Dokumentarfilm GmbH
Produktionsjahr: 1962
Format: 16-mm-Lichtton
Farbe: Farbe
Sprache: Deutsch
Laufzeit: 20 Minuten
Sprecher: Hanns Joachim Friedrichs
Regie: Reginald Beutner, Ernst Ullrich
Kamera: Egon M. Mann, Ernst Ullrich
Ton: Hans Ruhe
Schnitt: Angelika Jankowsky
Uraufführung: 16.01.1963 Élysée Palast vor Staatspräsident de Gaulle (nicht öffentlich)
28.03.1963 Hauptversammlung der August Thyssen-Hütte AG, Düsseldorf
Archiv: thyssenkrupp Corporate Archives, Duisburg
