Zu Gast bei der DFG Duisburg: Hélène Kohl, die Macherin von „Le Podkast“ – mit K! – beleuchtete den Aufstieg politischer Extreme in Frankreich und Deutschland, die Strategien des Rassemblement National und den Einfluss der Medien auf politische Debatten. (Foto: Stefan Endell/DFG Duisburg).

(Duisburg, den 22.9.2026). 30 Gäste vor Ort im Stadtarchiv, dazu zeitweise 50 weitere online: Der Vortragsabend mit der deutsch-französischen Journalistin Hélène Kohl stieß auf großes Interesse. Im Mittelpunkt stand die Frage, was Deutschland und Frankreich beim Erstarken der extremen Rechten unterscheidet – und was beide Länder miteinander verbindet.

Hélène Kohl kennt die politische und mediale Landschaft beider Länder aus nächster Nähe. Zwei Jahrzehnte arbeitete die deutsch-französische Journalistin für die französische Pressegruppe Lagardère. Im Zuge der Übernahme durch den Milliardär Vincent Bolloré verließ sie das Unternehmen. Seit 2021 geht sie journalistisch eigene Wege – unter anderem mit „Le Podkast“, bewusst mit K geschrieben. Darin erklärt sie einem französischsprachigen Publikum deutsche Politik, ordnet Debatten ein und lässt Fachleute zu Wort kommen. Das Format hat sich inzwischen etabliert: In sechs Staffeln sind mehr als 100 Folgen entstanden.

Im Duisburger Stadtarchiv richtete Kohl den Blick auf eine der brisantesten politischen Fragen dieses Herbstes: Wie vergleichbar sind der Aufstieg der AfD in Deutschland und die Entwicklung des Rassemblement National in Frankreich? Dabei machte sie deutlich, dass einfache Gleichsetzungen zu kurz greifen. Politische Traditionen, Wahlsysteme und Medienlandschaften unterscheiden sich – zugleich lassen sich Mechanismen beobachten, die in beiden Ländern gesellschaftliche Debatten verändern.

Besonders ausführlich beschäftigte sich Kohl mit Frankreich und der Strategie der „dédiabolisation“, mit der der Rassemblement National seit Jahren an gesellschaftlicher Akzeptanz arbeitet. Ein weiterer Schwerpunkt war die Rolle der Medien und der Einfluss Vincent Bollorés auf Teile der französischen Medienlandschaft. Die Frage dahinter: Wie werden politische Begriffe, Themen und Grenzen des Sagbaren verschoben, lange bevor die Menschen ihre Stimme an der Wahlurne abgeben?

Zur Debatte stand auch, was ein weiteres Erstarken nationalistischer und europaskeptischer Kräfte für die deutsch-französischen Beziehungen bedeuten könnte. Gerade weil Deutschland und Frankreich bei zentralen europäischen Fragen immer wieder gemeinsame Positionen aushandeln müssen, können politische Verschiebungen in beiden Ländern die Zusammenarbeit erschweren – etwa in der Europa-, Außen- und Sicherheitspolitik. Damit geht es nicht allein um das Verhältnis zwischen Berlin und Paris, sondern auch um die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union.

Im Anschluss an den klugen Vortrag entwickelte sich eine ausführliche und engagierte Fragerunde. Die Wortmeldungen kamen abwechselnd aus dem Vortragsraum im Duisburger Stadtarchiv und aus dem Chat-Room der online zugeschalteten Teilnehmerinnen und Teilnehmer. So entstand eine lebhafte Diskussion über Medien, politischen Extremismus, demokratische Verantwortung und die Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen.

Hélène Kohl beließ es dabei nicht bei der Analyse. Sie appellierte an ihr Publikum, selbst konkret gegen politische Extreme aktiv zu werden: den Mund aufzumachen, laut zu sein und politische Räume mit klaren demokratischen Positionen zu besetzen. Demokratie, so die Botschaft des Abends, lebt auch davon, dass ihre Bürgerinnen und Bürger öffentlich für sie eintreten.

Großer Applaus und viel Zuspruch am Ende der Veranstaltung, die wie zuvor erwähnt hybrid durchgeführt wurde: David Babin, Leiter des Centre culturel Essen, organisierte den parallelen ZOOM‑Zugang. Die Vorsitzende der DFG Duisburg, Waltraud Schleser,  moderierte den Abend und sorgte zuweilen flugs für eine deutsche Übersetzung eines französisch vorgetragenen Beitrages.

Diese Veranstaltung war eine Kooperation zwischen der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg, dem Französischen Kulturzentrum Essen, Europ Direct Duisburg-Niederrhein und der Auslandsgesellschaft Dortmund. Applaus, Applaus!

(Text und Fotos: Stefan Endell).

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