
Waltraud Schleser im Gespräch mit Nadia Pantel
Ganz sicher ein Höhepunkt im Frühjahrsprogramm der DFG und ein Juwel im Rahmen der 47. Duisburger Akzente! Im vollbesetzten Saal des Soziokulturellen Zentrums Stapeltor stellte Nadia Pantel ihr „etwas anderes Frankreich-Porträt“, DAS CAMEMBERT-DIAGRAMM, vor. Als Frankreich-Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung lebte sie vier Jahre lang in Paris und bereiste das ganze Land. Für ihre journalistische Arbeit erhielt sie unter anderem im Jahre 2023 auch den renommierten Deutsch-Französischen Journalistenpreis. Ihr Blick auf Frankreich ist nicht nur der einer Journalistin, Historikerin und Germanistin, sondern ganz entschieden auch der einer Tochter deutsch- französischer Eltern, welche mit aufgewecktem Kinderblick die Besonderheiten beider Länder früh durchschaute. Ein Alltagsblick, der in der Politik die kulinarischen und in den anarchischen Bewegungen die kulturellen Traditionen spiegelt. Sie beschränkte sich nicht auf die Lesung aus Kapiteln wie „Baguette und Zentralismus“, „Wurst und Widerstand“ oder „Camembert und Krise“, sondern analysierte, klug moderiert von Waltraud Schleser, im Plauderton des eigenen Erlebens Familienleben, Alltag und große Politik unseres Nachbarlandes. „Das Camembert Diagramm“ ist ein Buch, das auf jeder Seite in unserer Realität und in der Geschichte und Kultur steht, aus der heraus sie sich entwickelt hat. Heinrich Heine, Kurt Tucholsky und Joseph Roth sind für ihre Zeiten und bis heute Monumente für eine solche Vermittlung zwischen Deutschland und Frankreich. Sie alle haben Frankreich geliebt und mit Blick auf Europa ein großes Werk für den Frieden geschaffen. Scharfe Analyse mit offenem Blick voller Sympathie auf Menschen und ihren Alltag – Bericht, Literatur und Feuilleton in Einem. Ich sehe Nadia Pantel in ihren Spuren. Ihr Buch gehört in die Hände all derer, die Frankreich lieben und gut über seine historische und aktuelle Wirklichkeit informiert werden möchten.
Darüber hinaus kann man mit der Autorin auch wunderbar Tischfußball spielen!
Wolfgang Schwarzer