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Hélène Ortolan stellte ihr Buch „Tina“ vor

Im Winter noch elementar wichtiger als im Sommer: Die Belieferung mit Holz durch die Hilfsorganisation „Auberge des migrants“ in Calais. Für ein regelmäßiges Feuer, mit dessen Hilfe die Flüchtlinge rund um den aufgelösten „Dschungel“ sich wärmen können und sich Essen aufwärmen können. ©Foto: Auberge des migrants – Calais.

Waltraud Schleser und Hélène Ortolan, Foto: Dr. Claudia Kleinert

Es ist immer ein Privileg, die Lebensgeschichte eines Menschen oder auch einer Familie im Detail erfahren zu dürfen. Und gar nicht so selten geschieht dies in Form eines Buches, wie bei der Französin Hélène Ortolan.

Am Donnerstag, den 24.03.22, war sie im Rahmen der Duisburger Akzente auf Einladung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg e.V. und der Volkshochschule im Stadtfenster zu Gast, um ihr Buch vorzustellen.

Sie berichtete – übersetzt von Waltraud Schleser, der 1. Vorsitzenden der DFG – davon, wie ihre gut situierte Familie, deren italienische Heimat während des Ersten Weltkriegs unerwartet zum Kriegsschauplatz wurde, in die Armut gestürzt wurde und das Land verlassen musste.

Nicht nur dieser Teil der Geschichte lässt an heutige Kriegsschauplätze denken.

Zunächst war es nur der Vater, der sich auf der Flucht vor Mussolini, über die Alpen in die Schweiz durchschlug und schließlich nach Frankreich kam. Dies mithilfe eines Schleusers, dem er all seine Papiere und all sein Geld anvertraute. Er werde, so der Schleuser, wenn der Vater ihm seine neue Adresse in Frankreich mitteilen würde, diesem das Geld dann zusammen mit den Papieren zuschicken. Raunen im Publikum – wie kann man so naiv sein (!?). Aber: Es gab sie auch damals schon, die grundehrlichen Menschen, die nur helfen wollten. Der Vater hat in der Tat Papiere und Geld zurückbekommen. Er holt seine Verlobte mit einem Trick nach: Sie nimmt an einer Pilgerfahrt nach Lourdes teil und darf so Italien verlassen.

In Chalon-sur-Saône, wo Verwandte wohnen, bauen die beiden sich eine neue Existenz auf. Dort lernen sie eine französische Familie kennen. Und es ist diese Familie, die den italienischen Migranten, die bald auch zwei Töchter haben, nicht nur hilft, sich zu integrieren, indem sie ihnen Arbeit gibt und bei allen Problemen zur Seite steht, sondern sie ist es auch, die ihnen beisteht, als der Zweite Weltkrieg ausbricht. Als man der französischen Familie nahelegt, sich von diesen „feindlichen Ausländern“ zu trennen, reagiert diese mit Wut und Empörung und stellt sich vor ihre Freunde.

Aber wie erging es den beiden Töchtern? Die ältere hat einen italienischen Vornamen und wird immer wieder angefeindet und beleidigt. Die jüngere hat einen französischen Vornamen. Ihre Erfahrungen sind ganz andere.

Das Band zwischen den beiden Familien kann niemand mehr trennen. Bis heute stehen sie sich nahe – nun schon in der dritten Generation.

Hélène Ortolan brachte dem gespannt lauschenden Publikum ihre Familiengeschichte – erzählend und Auszüge aus dem Buch lesend – wirklich nahe. Und immer wieder drängte sich der Vergleich mit einem heutigen Krieg auf. Fluchterfahrungen aller Zeiten ähneln sich bedrückend.

Doch auch das hat Hélène Ortolan uns an diesem Abend mitgegeben: Immer finden sich Menschen, die solidarisch sind, die nicht nur helfen wollen, sondern es auch selbstlos tun und die – in Glücksfällen wie dem ihren – zu lebenslangen Freunden über Generationen hinweg werden.

Bericht: Dr. Claudia Kleinert

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