Wolfgang Schwarzer und Dirk Schäfer zeichneten bei der Mercator-Matinée ein facettenreiches Bild der französischen Hauptstadt – von Lutetia bis zur Weltstadt der Gegenwart.

Ein Vortrag über Paris ohne Bilder? Auf der Leinwand waren jedenfalls bis auf das Einstiegsbild keine zu sehen. Aber umso mehr schaffte es das eingespielte Team von Schauspieler und Rezitator Dirk Schäfer und Wolfgang Schwarzer von der deutsch-französischen Gesellschaft mit historischen Hintergrunderzählungen und breit gefächerten, eindringlich vorgetragenen Zitaten, Bilder in den Köpfen der sehr zahlreich erschienenen Besucherinnen und Besucher zu erzeugen. Beispiel gefällig? Das Riesenbaby Gargantua, eine Figur aus einem Roman von Rabelais, sitzt auf Notre Dame und „begießt“ die herbeigeeilte Menge aus seinem Hosenlatz – per risum, also zum Spaß, wie er sagt, und woher im Übrigen auch, so der Riese, der Name Paris stamme. Die Ausführungen zu den Latrinen und deren hygienischen Folgen sowie zu einstürzenden Friedhofsmauern, die Leichenteile in Keller fallen lassen, ließen unweigerlich Grusel-Bilder im Kopf entstehen. Unerwartete Chansoneinlagen der beiden Protagonisten ließen das Publikum Szenenapplaus spenden.

Per Kutsche, Auto und nicht zu vergessen per Esel ging es im Raketentempo vor und zurück in der Geschichte der Pariser Hauptstadt – je nachdem, ob es gerade um Markthallen, alte Friedhöfe, Literaten, Bohemiens, Musiker, Flaneure, alte Bauwerke, die Merowinger, das „savoir vivre“ oder die neuen Freiheiten der Damenwelt – um nur einige Themen zu nennen – ging. Die jeweilige Fantasie der Anwesenden konnte daraus ein sehr individuelles Bild von Paris zusammensetzen, das tiefgründiger war, als es noch so viele Fotos hätten bewirken können.

Der Beifall des Publikums für den hervorragend konzipierten Vortrag war dann auch entsprechend beigeistert. Dreimal wurden Dirk Schäfer und Wolfgang Schwarzer nach ihrem Abgang wieder „herausgeklatscht“.

Ach ja, und ab und an war da auch ein weißer Elefant. Rilke lässt grüßen.

Text und Foto: Claudia Kleinert

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