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Die DFG Duisburg hat dieses Jahr am 5.1.17 zum ersten Mal zur „Tirage des rois“ eingeladen. Die Galette des rois ist ein Kuchen, der anlässlich des Dreikönigstages – und häufig auch bei vielen anderen Treffen mit Familie und Freunden – den ganzen Januar über gegessen wird. Fünfzehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammelten sich im Café Dobbelstein, um diese französische Tradition kennenzulernen. Die jüngste Teilnehmerin las die Namen vor und legte damit die Verteilung der Kuchenstücke fest, damit nicht geschummelt werden konnte, – Sema, vielen Dank dafür! – denn diejenigen, die in ihrer „galette“ eine kleine Porzellanfigur finden, werden zum König bzw. zur Königin gekürt und dürfen eine Krone tragen. 2 Kronen gingen an unsere jüngsten Teilnehmer, über deren Kommen wir uns sehr gefreut haben.

Zum Abschluss gab es noch Papillotes, aufwändig verpackte Pralinen, die jeweils einen Sinnspruch enthalten, der natürlich übersetzt und kommentiert wurde. Diese Papillotes werden in Frankreich traditionell zu Weihnachten und zu Silvester gegessen.

Erzählungen zu Sitten und Gebräuchen und angeregte Unterhaltungen rundeten den Nachmittag ab.

Wer es nun bereut, nicht teilgenommen zu haben, wird im nächsten Jahr eine neue Gelegenheit dazu bekommen.

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Auf Einladung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg präsentierte Didier Daeninckx am 14.11.2017 im Internationalen Zentrum am Innenhafen seinen neuen Roman „Caché dans la maison des fous“ – Versteckt im Irrenhaus. Der Roman des französischen Autors handelt von einem Irrenhaus in einem abgelegen Dorf Frankreichs der 1940er Jahre. Die beiden psychiatrischen Leiter des Hauses entwickeln völlig neue Methoden des Umgangs mit psychisch Kranken. An die Stelle von Misshandlungen und Ruhigstellung mit Medikamenten treten Beteiligung, Entfaltung eigener Aktivitäten und gemeinsame Arbeit. Heute gängige Behandlungsmethoden wie Kunsttherapien werden erprobt. Juden und Widerstandskämpfer, wie zum Beispiel der Dichter Paul Eluard, finden Zuflucht in dieser Einrichtung und werden in die Organisation des Alltags integriert. So entsteht der Eindruck einer „verkehrten Welt“: Die Welt draußen ist durch Krieg und Verfolgung aus den Fugen geraten, aber in einer Anstalt für „Verrückte“ herrschen „normale“, humane Verhältnisse. Dank der aktiven Einbindung der Kranken bei der Feldarbeit oder der Herstellung von Kleidung überlebt schließlich die Einrichtung den Zweiten Weltkrieg. Ein massenhaftes Verhungernlassen durch unzureichende Lebensmittelrationen, das von der Vichy-Regierung angeordnet wird, kann vermieden werden.

Der Vortrag von Didier Daeninckx wurde seitens der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg von Waltraud Schleser und Ulrike Hebel mit Übersetzungen und Erläuterungen begleitet. Nach einer lebhaften Diskussion mit den rund 30 Besucherinnen und Besuchern endete die Veranstaltung mit der Signierung von Büchern durch den Autor.

Werner Schleser


 Lesung mit Theodor Michael „Deutsch sein und schwarz dazu“
Erfolgreiche Veranstaltung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg im Juni 2016
Über 50 Personen fanden am Sonntagnachmittag den Weg ins Stadthistorische Museum, um an einer Lesung des Autors Theodor Michael teilzunehmen. Und das trotz sommerlicher Temperaturen und einem reichhaltigen Duisburger Freizeitangebot. Eingeladen hatte die Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg (DFG) in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Bildungswerk, dem Stadtjugendring und der VVN. Die Zuhörer bereuten ihr Kommen nicht. Die Auszüge, die Theodor Michael aus seinem Buch „Deutsch sein und schwarz dazu“ vorlas, waren spannend und machten zugleich betroffen. Theodor Michael wurde 1925 in Berlin als Sohn eines schwarzen Vaters aus der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun und einer deutschen Mutter geboren, war also Deutscher – aber eben mit dunkler Hautfarbe.

Nach schwierigen Jahren als Waise in der Weimarer Zeit, verschärfte sich Theodors Lage in der Nazi-Zeit. Als „negroidem Artfremden“ wurde ihm Schul- und Ausbildung verwehrt. Er überlebte, weil er in Völkerschauen vorgeführt wurde und durch Statisten-Rollen in Nazi-Kolonialfilmen, bis er 1943 doch in ein Zwangsarbeitslager kam. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs arbeitete Theodor Michael zunächst als Schauspieler. Nach einem Studium in Hamburg und Paris, ermöglicht durch die damalige Stiftung Mitbestimmung des DGB (heute Hans-Böckler-Stiftung), trat er in den Staatsdienst ein und ging schließlich als Regierungsdirektor in den Ruhestand. Theodor Michaels Schilderungen zeugen von einem unbändigen Überlebenswillen und Optimismus, wobei ihm in
schwierigen Situationen immer wieder sein christlicher Glaube geholfen hat.

Nach einer Stunde eröffnete Waltraud Schleser, Zweite Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft, die Diskussionsrunde. Neben zahlreichen ergänzenden Fragen zum Schicksal Theodor Michaels wurde der Bogen auch zu grundlegenden, aktuellen Fragen wie der heutigen Fremdenfeindlichkeit und dem schwierigen Umgang der Deutschen mit der Begrifflichkeit von Nation und Nationalismus geschlagen. Am Ende der Veranstaltung signierte Theodor Michael sein Buch, das sehr gefragt war.