Archiv

Hier finden Sie eine Auswahl der interessantesten Veranstaltungen der letzten Zeit. Alle vergangenen Veranstaltungen können Sie nachlesen, indem Sie im Programmteil rückwärts blättern.

Inhaltsverzeichnis:

  • Prof. Dr. Alfred Grosser zu Gast in Duisburg
  • Frankreich nach den Wahlen: Rechtspopulismus auf dem Vormarsch?
  • Regionaltagung NRW, Impulsvortrag Oliver Keymis (MdL)
  • Diedier Daeninckx: Caché dans la maison des fous
  • Theodor Michael: Deutsch sein und schwarz dazu
  • Französischer Botschafter zeichnet DFG Duisburg mit dem Rovan-Preis aus

Prof. Dr. Alfred Grosser zu Gast in Duisburg (31.5.2917)

Er ist 92 Jahre alt und wird nicht müde, aufzuklären, zu warnen, zu diskutieren und auch unliebsame Wahrheiten zu sagen. Der Politologe und ausgewiesene Kenner in deutsch-französischen Fragen Prof. Dr. Alfred Grosser hat am Mittwoch, den 31. Mai, in Duisburg ein umfangreiches Programm absolviert.

Am Vormittag besuchte er das Sophie-Scholl-Berufskolleg und diskutierte mit 120 Schülern Fragen zu Deutschland und Frankreich, zu Europa, der Flüchtlingspolitik und fordert hier Menschlichkeit ein, das Thema, das er auch in seinem neuen Buch „Le Mensch“ hervorhebt. Seine einzige Bedingung: „Keine Erwachsenen in den ersten vier Sitzreihen“ hat sich als klug und richtig erwiesen. So gab es keine Barriere zwischen ihm und den Schülern, die ihm interessiert und gebannt zuhörten und, wie Alfred Grosser es sich erhofft hatte, viele Fragen stellten. Noch am Abend zeigte er sich begeistert von der Diskussion mit den Jugendlichen.

Nach einem Besuch im Landschaftspark, von dem er sich beeindruckt zeigte, hielt er am Abend einen Vortrag vor gut 250 Gästen in der Salvatorkirche zu dem Thema „Gibt es noch ein europäisches Haus?“ Er erinnert an die großen Vorreiter der europäischen Idee und kommt danach schnell auf die aktuellen Probleme zu sprechen: das Auseinanderdriften der europäischen Staaten, der Brexit, die Flüchtlingsfrage. Er räumt mit Vorurteilen und Pauschalisierungen auf: „Es gibt nicht ‚die‘ Juden, ‚die‘ Deutschen, ‚die‘ Muslime, ‚die‘ Flüchtlinge, es gibt die Anderen.“ Dieses Thema hat ihn persönlich sein Leben lang beschäftigt, denn er wurde als deutscher Jude geboren und musste 1937 nach Frankreich emigrieren. Trotz dieser einschneidenden Erfahrung setzte er sich nach dem Krieg unermüdlich für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich ein. Mit dem neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron, den er von Anfang an unterstützt hat, hofft er auf einen neuen Aufschwung in den deutsch-französischen Beziehungen.

Das Publikum dankte ihm mit einem lang anhaltenden Applaus.

Der Besuch Alfred Grossers in Duisburg wurde möglich durch die Kooperation mit dem Institut Français Düsseldorf, der Stadt Duisburg, der DFG, Europe Direct, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, VHS, Universität Duisburg-Essen.

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Frankreich nach den Wahlen: Rechtspopulismus auf dem Vormarsch?

Referent: Prof. Dr. Henri Ménudier, Université Sorbonne Paris III – Sorbonne Nouvelle

Moderation : Wolfgang Schwarzer, ehem. Vorsitzender der DFG Duisburg

Mittwoch, 10. Mai 2017, 18.00 Uhr im Konferenz- und Beratungszentrum „Der kleine Prinz“

Eine gemeinsame Veranstaltung des EUROPE DIRECT EU-Bürgerservice der Stadt Duisburg, der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg e.V., der Volkshochschule Duisburg, der Universität Duisburg-Essen und des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt Duisburg/Niederrhein

Mag die Wahl Emmanuel Macrons zum Präsidenten der französischen Republik am 7. Mai 2017 auch ein Grund zum Aufatmen sein, so bleiben doch große Unsicherheiten, wie sich unser Nachbarland und Europa in der kommenden Legislaturperiode entwickeln werden. Wird dieser 39jährige und in der Politik eher unerfahrene parteilose Seiteneinsteiger das wirtschaftlich angeschlagene und gesellschaftlich gespaltene Land regieren können? Wird er seine Bewegung „La République en marche“ für die kommenden Parlamentswahlen so aufstellen können, dass er die nötige Mehrheit für seine Politik erhält? Oder ist zu befürchten, dass es den einst etablierten und nun implodierten Parteien der Sozialisten und der Republikaner wie der starken Phalanx des rechtsradikalen „Front National“ gelingt, seine Politik zu blockieren? Sicher scheint, dass ein Misserfolg Macrons nach dem Desaster der Regierungen Sarkozys und Hollandes in fünf Jahren eine übermäßig erstarkte Marine Le Pen ins höchste Staatsamt bringen könnte. Sicher ist außerdem, dass die Entwicklung Frankreichs sich intensiv auf ein Europa auswirken wird, das seinerseits durch Dissenzen unter den Mitgliedsländern, den Brexit und starke Kritik am Erscheinungsbild seiner Politik geschwächt ist.

Ein 40minütiges Exposé des Politologen Prof. Dr. Henri Ménudier, ein anschließendes Podiumsgespräch mit Wolfgang Schwarzer, dem ehemaligen Vorsitzenden der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg, der die Veranstaltung moderierte, und die ausführliche Beantwortung zahlreicher Fragen aus dem Publikum befassten sich mit dieser aktuellen Situation Frankreichs.

Ménudier erklärte seinem zahlreich erschienenen Publikum in der « Black Box » des « Kleinen Prinzen » klar und verständlich, mit immer wieder dezent aufscheinendem Humor, die politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen dieser Präsidentschaftswahl und stellte die dominierenden Kandidaten mit ihren Parteien und Konstellationen vor. Er analysierte den Zustand Frankreichs und die Aufgaben Emmanuel Macrons sowie die Gefährdungen, denen seine Regierung ausgesetzt ist. Fazit blieb allerdings, dass drei Tage nach der Wahl und vor dem Ausgang der kommenden Parlamentswahlen, aber auch in der gesamten aktuellen Situation Frankreichs und Europas die Unsicherheiten vorherrschen.

Prof. Ménudier, der Emmanuel Macron seit dessen Studentenzeiten in der Eliteunversität kennt und schätzt, appellierte an die deutsche Politik und Gesellschaft, den neu gewählten Präsidenten zu unterstützen, da sein Scheitern auch das Scheitern des europäischen Projekts bedeuten würde. Irritiert zeigte er sich darüber, dass Überlegungen des Wahlkämpfers Macron, etwa zu den umstrittenen Euro-Bonds, umgehend heftige Reaktionen aus Teilen der deutschen Regierung hervorgerufen hätten und mahnte zu Geduld und Aufnahme des persönlichen Kontakts.

In seinem Schlusswort unterstrich Wolfgang Schwarzer, dass man in dieser historisch einmaligen Wahlperiode wie auch in der Entwicklung Europas weitgehend die Sicherheiten verloren habe. Er wünsche sich jedoch, dass dies als Chance wahrgenommen werde, eine so notwendige wie wünschenswerte Erneuerung herbeizuführen.

Wolfgang Schwarzer

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Regionaltagung NRW, Impulsvortrag Oliver Keymis (MdL)

Am 22.4.2017 fand in Neuss der Regionalkongress der deutsch-französischen Vereinigungen NRW statt. Den Auftakt zu dieser äußerst interessanten und anregenden Tagung machte Herr Oliver Keymis, dessen Rede wir wegen ihrer weitreichenden Bedeutung im Folgenden abdrucken:
Oliver Keymis MdL (Vizepräsident des Landtags NRW / Vorsitzender der Parlamentariergruppe NRW-Frankreich im Landtag NRW)

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – gleiche Werte – beste Freunde – die deutsch-französische Freundschaft ist und bleibt der Schlüssel für die Zukunft Europas“

„Der Nachteil der Demokratie ist, dass sie denjenigen, die es ehrlich mit ihr meinen, die Hände bindet. Aber denen, die es nicht ehrlich meinen, ermöglicht sie fast alles.“ (Václav Havel)
Der Mitbegründer der Charta 77 und spätere Präsident Tschechiens, der Dramatiker Vaclav Havel, hat mit diesem einfachen Satz genau das Dilemma beschrieben, welches wir gerade auch im aktuellen französischen Präsidentschaftswahlkampf – aber eben nicht nur dort – mit einem gewissen Schrecken beobachten können.
Schrecken? Ja, während wir über die Wahl in Frankreich spekulieren, wird das Land weiter terrorisiert, wie sonst keines in ganz Europa. Frankreich leidet unter schrecklichen Terrorangriffen und einmal mehr sprechen wir alle unsere Anteilnahme für die Opfer des Anschlags am Donnerstagabend in Paris aus.
Und leider sieht es nun auch so aus, dass dieser Terror die radikalen politischen Ränder stärkt, also jene, die Europa verachten und zerstören wollen, die die Grenzen wieder schließen und Ausländer rauswerfen wollen.
Dabei vergessen sie, dass es zumeist französische Staatsbürger waren, die den Terror in Frankreich ausübten.
Während nach dem furchtbaren Charlie-Hebdo-Attentat im Januar 2015 die französischen Nachbarn und Freunde noch in großen solidarischen Demonstrationen in vielen Städten Frankreichs gegen den Hass und die Gewalt und ausdrücklich für die großen verbindenden Werte der Republik, „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ zusammenstanden und eindrucksvoll demonstrierten, dass sie friedlich und gewaltfrei leben wollen – ich komme gleich darauf noch einmal zurück – überlegen jetzt erschreckenderweise viele Franzosen, dem Radikallinken Mélenchon oder der Radikalrechten Le Pen ihre Stimme zu geben und damit das deutsch-französische Verhältnis ebenso zu opfern, wie die Werte der europäischen Einigung nach 1945.
Ja, es ist wirklich erschreckend, dass in Frankreich links und rechts die Zerstörung Europas inzwischen fast so populär ist, wie in England, wo sich schon eine Mehrheit für den Brexit entschieden hat – oder auch bei der AFD in Deutschland, die heute in Köln ihren Bundesparteitag abhält und dort Beschlüsse fassen wird, die den meisten von uns die Haare zu Berge stehen lassen: Grenzen dicht, Deutschland zuerst, Europa stoppen, die DM-Einführung prüfen, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen, in den Theatern nur noch deutsche Autoren aufführen, u. s. w. – man malt sich auch diesen Schrecken lieber nicht aus; von all den anti-humanitären Schmach- und Schandbeschlüssen mal ganz abgesehen, die ohnehin Glaubenssätze dieser gefährlichen Rechtsaußen-Partei sind, vor der nicht nur der Direktor des Münchner NS-Dokumentationszentrums, Prof. Dr.-Ing. Winfried Nerdinger mit scharfen Worten warnt.
Und der Mann weiß, wovon er redet – im Gegensatz zu diesem unseligen AFD-Geschichtslehrer, der ausgerechnet in Dresden „eine erinnerungspolitische 180-Grad-Wende“ forderte und anschließend seine Forderung rabulistisch ins Gegenteil umzudeuten versuchte. Denn von München ging „die Bewegung“ aus und wir Deutschen haben unsere Lektion – bis auf einige Ausnahmen – Gott sei Dank gelernt.
Und umso mehr macht es betroffen, dass 72 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs nicht mehr das Friedens- und Freiheitsprojekt Europa im Mittelpunkt des politischen Strebens und Handelns steht, sondern dessen Zerstörung.
Und das Schlimme ist, dass wir alle, ja, auch wir Pro-Europäer aus tiefstem Herzen, eine Mitschuld an dieser Entwicklung tragen.
Insbesondere die unsägliche Finanzkrise und den Umgang mit derselben, das ‚Retten der Banken‘ bei gleichzeitiger Jugendarbeitslosigkeit von 20 – 50 % von Spanien über Frankreich bis nach Italien.
Dazu die Unfähigkeit, neben den ökonomischen endlich auch die sozialen Interessen in Europa zu koordinieren.
Und die Unmenschlichkeit, die Flüchtlingsfrage erst auf dem Rücken der Griechen und Italiener abzuladen, um sie dann im Wesentlichen eben nicht europäisch-solidarisch zu organisieren, sondern den Deutschen die Hauptverantwortung zu überlassen – etwa nach dem provokanten Motto: wer so hohe Exportüberschüsse hat, der kann ja auch die meisten Flüchtlinge aufnehmen.
Was ist das für ein Europa, wo systematisch Glühbirnen verboten werden, dann der 500-Euro-Schein abgeschafft wird und schließlich das komplette Bargeldverbot als Anti-Terrorakt zum Plan wird, in den Hinterzimmern der Euro-Finanz-Bürokraten? Was soll das?
Wieso haben wir uns vor 20 Jahren auf den EURO verständigt, als Friedenswährung in unserem Kontinent und als ökonomisches Gegengewicht zu den USA und zu China, wenn wir ihn nun allen Ernstes zumindest als Bargeld schon wieder abschaffen wollen? Wo bleibt da die Freiheit? Wo die Gleichheit und wo – in drei Teufels Namen – die Brüderlichkeit?
„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – gleiche Werte – beste Freunde – die deutsch-französische Freundschaft ist und bleibt der Schlüssel für die Zukunft Europas“ – so optimistisch hatte ich meinen bescheidenen Impuls für heute Vormittag betitelt.
Und je mehr ich über diese Werte nachdenke, umso weiter entrücken sie mir bei der „allmählichen Verfertigung des Gedankens beim Reden“, um an einen alten klugen Text von Heinrich von Kleist zu erinnern.
Wo stehen wir im Jahre 2017? Wo unsere gemeinsamen Werte? Welche Identitäten entwickeln wir, was ist die Basis all unseres politischen Mühens?
Mein Freund Gerhart Baum hat ja Recht, wenn er sagt: Wir Europäer haben aus dem Recht des Stärkeren die Stärke des Rechts gemacht. Gut so, aber diese wertvolle europäische Rechtsstaatlichkeit müssen wir offensiv schützen und bewahren.
Mich leitet seit Jahren ein Satz von Hannah Arendt: „Der Sinn von Politik ist Freiheit.“
Und ich beobachte mich und andere dabei, wie wir immer unfreier werden. Der Terror, der auch über Europa gekommen ist, wütet, zu einem großen Teil auch mit unseren exportierten Waffen, schon seit viel zu langem in vielen anderen Weltregionen.
Und jedes Mal, wenn er hier bei uns in Europa zuschlägt, dann empfinden wir einen Moment lang stark und gemeinsam, dass es sich jeweils um einen Anschlag auf unsere Werte, auf unsere Freiheit gehandelt hat. Ja, das ist so und wir wissen es.
So schrieb mir mein französisches, damals 19jähriges Patenkind, Louise Michel mit Namen, am 16. Januar 2015, neun Tage nach dem blutigen Terrorattentat auf „Charlie Hebdo“ und mit Blick auf die großen Solidaritäts-demonstrationen in ganz Frankreich, von denen ich eben schon einmal sprach, folgende Worte per E-Mail:
« La plus belle chose à voir Dimanche, c’était cette image d’un peuple uni pour défendre la liberté d’expression et de religion, crayon à la main et montrant que face au terrorisme, nous avons nos propres armes. Ces hommes et ces femmes, qui ont été assassinés, n’étaient pas seulement des êtres humains, mais aussi des idées. Des idées, pour lesquels le peuple c’était battu il y a plus de 200 ans pendant la révolution.
Nous sommes peut être un petit pays comparé aux Etats-Unis ou à la Chine, mais nous sommes une grande nation ! La nation des droits de l’homme, de Voltaire, de Diderot, de Victor Hugo et de tous ces artistes, qui sont battus pour pouvoir écrire, peindre, dessiner et composer librement.
L’Art n’est pas uniquement quelque chose de beau, c’est aussi un moyen de nous faire ressentir des émotions, l’Art peut nous faire pleurer, réfléchir, nous rendre heureux et joyeux. Charlie Hebdo, c’est l’Art de rire de tout. Alors, si quelqu’un nous enlève l’Art et le rire, nous lui reprenons. »
Meine Damen und Herren, steckt nicht in dieser klaren Erkenntnis eine entscheidende Botschaft für uns alle?
Sind es die Kunst, das Lachen und die Freiheit, die wir in unserem Europa der Werte um jeden Preis verteidigen müssen?
Und wenn das so ist, wie wehren wir uns gegen all die Anfeindungen, vom geplanten Bargeldverbot bis zur digitalen Totalüberwachung, die uns ja ebenfalls als Antiterror-Mittel mit jedem fürchterlichen Anschlag näher gelegt wird?
Was wird uns das Lachen, die Kunst und die Freiheit noch Wert sein, wenn wir der Zerstörung dieser unserer Werte insgesamt nicht endlich Einhalt gebieten?
Kehren wir gemeinsam zur europäischen Vernunft zurück, zur Freiheit und zur Friedensordnung Europas, zum „europäischen Traum“, wie ihn der amerikanische Soziologe Jeremy Rifkin so wunderbar in seinem gleichnamigen Buch bereits 2004 beschrieb, eben weil wir unsere Freiheit und unsere Wohlfahrt so vorbildlich pflegten, weil wir in unserem Europa, so Rifkin träumerisch, eben genau diese Werte teilen:
„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“.
Nur wenn wir das gemeinsam und ernsthaft leben, nur wenn Frankreich und Deutschland diese große gemeinsame Wertegemeinschaft stark und verlässlich bilden, dann wird dies das Europa, wie wir es nach 1945 haben entstehen sehen und wie es von seiner Gründern gemeint war, weiter voranbringen.
Ganz in dem Sinne, wie es Jean-Baptiste Nicolas Robert Schuman in seiner wegweisenden Erklärung am 9. Mai 1950 formulierte:
„Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen.“
Der Beitrag, den ein organisiertes und lebendiges Europa für die Zivilisation leisten kann, ist unerlässlich für die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen.
Frankreich, das sich seit mehr als zwanzig Jahren zum Vorkämpfer eines Vereinten Europas macht, hat immer als wesentliches Ziel gehabt, dem Frieden zu dienen. Europa ist nicht zustande gekommen, wir haben den Krieg gehabt.
Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen. Die Vereinigung der europäischen Nationen erfordert, dass der Jahrhunderte alte Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland ausgelöscht wird.
Das begonnene Werk muss in erster Linie Deutschland und Frankreich erfassen.“
Wer kann und wollte dem widersprechen? Niemand!
Und niemand will, dass die Präsidentschaft Frankreichs zur Vizekanzlerschaft Deutschlands degradiert wird, aber fast alle der 11 Präsidentschaftskandidaten suchen auf den letzten Metern vor der ersten Wahlrunde am morgigen Sonntag solcherart anti-europäische, ja auch anti-deutsche Anleihen, um diesem negativen Grundgefühl sich anzudienen, Frankreich sei irgendwem unterlegen.
Wo bleibt da der demokratische Stolz der Grande Nation?
Wo sind ihre großartigen Werte, auf die wir doch alle gemeinsam in Europa stolz sind: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“.
Meine Damen und Herren, Europa, wir alle hier und heute wissen das, entsteht durch die Gemeinschaft der Menschen, durch den persönlichen Austausch und die Freundschaften zwischen jedem einzelnen von uns, die wachsen müssen und gemeinsame Zeit brauchen. Und offene Grenzen.
Deshalb fand ich auch den etwa 2,5 Milliarden EURO teuren Vorschlag, allen Europäerinnen und Europäern zum 18. Geburtstag ein „Interrail-Ticket“ zu schenken, damit sie im wahrsten Sinne des Wortes Europa „erfahren“ könnten, so grandios. Und so bitter, dass ihn die Brüsseler Bürokraten aus Kostengründen wieder verwarfen! Wie peinlich – und wie kleinlich!
Statt nach Neuseeland oder Australien zu jetten, erst einmal mit 18 einen Monat lang quer durch Europa sich einen eigenen Weg „bahnen“, das ist ein pro-europäisches Einstiegsprogramm par excellence!
Nur unsere stabilen und langlebigen Städte- und Schulpartnerpartnerschaften und das Erasmus+-Programm der Europäischen Union können hier noch mithalten.
Wir müssen die Jugend Europas vereinen oder das Vereinte Europa droht weiter zu zerfallen.
Wir müssen die europäischen Werte gemeinsam leben oder wir gehen in unseren Nationalismen zugrunde.
Wir müssen den Frieden in Freiheit sichern und so den europäischen Traum, also unser Europa, weiter zur erlebbaren Wirklichkeit formen.
In diesem Sinne danke ich Ihnen allen für Ihre engagierte Arbeit zum Wohle unserer deutsch-französischen Beziehungen.
Es lebe Deutschland, es lebe Frankreich, es lebe Europa und es lebe, ich sage das auch mit besonderem Bedacht heute, einen Tag vor dem ersten Wahlgang am morgigen Sonntag:
es lebe die deutsch-französische Freundschaft!

Vielen Dank.

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Caché dans la maison des fous – Lesung mit Didier Daeninckx

Auf Einladung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg präsentierte Didier Daeninckx am 14.11.2017 im Internationalen Zentrum am Innenhafen seinen neuen Roman „Caché dans la maison des fous“ – Versteckt im Irrenhaus. Der Roman des französischen Autors handelt von einem Irrenhaus in einem abgelegen Dorf Frankreichs der 1940er Jahre. Die beiden psychiatrischen Leiter des Hauses entwickeln völlig neue Methoden des Umgangs mit psychisch Kranken. An die Stelle von Misshandlungen und Ruhigstellung mit Medikamenten treten Beteiligung, Entfaltung eigener Aktivitäten und gemeinsame Arbeit. Heute gängige Behandlungsmethoden wie Kunsttherapien werden erprobt. Juden und Widerstandskämpfer, wie zum Beispiel der Dichter Paul Eluard, finden Zuflucht in dieser Einrichtung und werden in die Organisation des Alltags integriert. So entsteht der Eindruck einer „verkehrten Welt“: Die Welt draußen ist durch Krieg und Verfolgung aus den Fugen geraten, aber in einer Anstalt für „Verrückte“ herrschen „normale“, humane Verhältnisse. Dank der aktiven Einbindung der Kranken bei der Feldarbeit oder der Herstellung von Kleidung überlebt schließlich die Einrichtung den Zweiten Weltkrieg. Ein massenhaftes Verhungernlassen durch unzureichende Lebensmittelrationen, das von der Vichy-Regierung angeordnet wird, kann vermieden werden.

Der Vortrag von Didier Daeninckx wurde seitens der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg von Waltraud Schleser und Ulrike Hebel mit Übersetzungen und Erläuterungen begleitet. Nach einer lebhaften Diskussion mit den rund 30 Besucherinnen und Besuchern endete die Veranstaltung mit der Signierung von Büchern durch den Autor.

Werner Schleser


 Deutsch sein und schwarz dazu – Lesung mit Theodor Michael 

Erfolgreiche Veranstaltung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg im Juni 2016
Über 50 Personen fanden am Sonntagnachmittag den Weg ins Stadthistorische Museum, um an einer Lesung des Autors Theodor Michael teilzunehmen. Und das trotz sommerlicher Temperaturen und einem reichhaltigen Duisburger Freizeitangebot. Eingeladen hatte die Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg (DFG) in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Bildungswerk, dem Stadtjugendring und der VVN. Die Zuhörer bereuten ihr Kommen nicht. Die Auszüge, die Theodor Michael aus seinem Buch „Deutsch sein und schwarz dazu“ vorlas, waren spannend und machten zugleich betroffen. Theodor Michael wurde 1925 in Berlin als Sohn eines schwarzen Vaters aus der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun und einer deutschen Mutter geboren, war also Deutscher – aber eben mit dunkler Hautfarbe.

Nach schwierigen Jahren als Waise in der Weimarer Zeit, verschärfte sich Theodors Lage in der Nazi-Zeit. Als „negroidem Artfremden“ wurde ihm Schul- und Ausbildung verwehrt. Er überlebte, weil er in Völkerschauen vorgeführt wurde und durch Statisten-Rollen in Nazi-Kolonialfilmen, bis er 1943 doch in ein Zwangsarbeitslager kam. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs arbeitete Theodor Michael zunächst als Schauspieler. Nach einem Studium in Hamburg und Paris, ermöglicht durch die damalige Stiftung Mitbestimmung des DGB (heute Hans-Böckler-Stiftung), trat er in den Staatsdienst ein und ging schließlich als Regierungsdirektor in den Ruhestand. Theodor Michaels Schilderungen zeugen von einem unbändigen Überlebenswillen und Optimismus, wobei ihm in
schwierigen Situationen immer wieder sein christlicher Glaube geholfen hat.

Nach einer Stunde eröffnete Waltraud Schleser, Zweite Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft, die Diskussionsrunde. Neben zahlreichen ergänzenden Fragen zum Schicksal Theodor Michaels wurde der Bogen auch zu grundlegenden, aktuellen Fragen wie der heutigen Fremdenfeindlichkeit und dem schwierigen Umgang der Deutschen mit der Begrifflichkeit von Nation und Nationalismus geschlagen. Am Ende der Veranstaltung signierte Theodor Michael sein Buch, das sehr gefragt war.


 

Französischer Botschafter zeichnet DFG Duisburg mit dem Rovan-Preis aus

Der französische Botschafter, S.E. Philippe Etienne, hat die Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg am vergangenen Samstag in Berlin mit dem ersten der drei Plätze des Prix Joseph Rovan ausgezeichnet.

Für die Herausgabe des Buches „Ideen für einen motivierenden Französischunterricht“ und ihre Erinnerungsarbeit rund um den Roman „Galadio“ von Didier Daeninckx hat die Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg am vergangenen Samstag, dem 8. Oktober 2016, in Berlin den jährlich verliehenen Joseph-Rovan-Preis des französischen Botschafters erhalten.

Zum Anlass des 10jährigen Bestehens des Arbeitskreises für Französischlehrkräfte hat die DFG Duisburg das Buch „Ideen für einen motivierenden Französischunterricht“ herausgegeben. Die beiden Autorinnen, Dr. Ingeborg Christ und Ulrike Hebel, die diesen Arbeitskreis von Beginn an leiteten, erstellten dieses Kompendium auf der Basis der Berichte ihrer alle zwei Monate stattfinden Veranstaltungen. Jahrelange kreative Arbeit und viele nützliche Ideen und Konzepte fanden hier ihren Niederschlag. An dieser Stelle seien dem Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW, der Volkshochschule Duisburg, den Schulbuchverlagen Cornelsen, Klett und Schöningh sowie der Buchhandlung Donat für ihre jahrelange freundliche Unterstützung gedankt.

Die Volkshochschule Duisburg veranstaltete im März 2011 zum Anlass der 70jährigen Wiederkehr des Beginns des 2. Weltkrieges die Ausstellung eines Kölner Journalistenkollektivs zu Aspekten dieses Themas. Der zuständige Fachbereichsleiter, Wolfgang Esch, bat die Deutsch-Französische Gesellschaft, sich an den begleitenden Veranstaltungen zu beteiligen. Die DFG lud den französischen Autor Didier Daeninckx, einen Goncourt-Preisträger, ein, seinen neuen Roman „Galadio“ vorzustellen, weil dieser teilweise in Duisburg Ruhrort spielt und weil er mit seinem Thema einen selten dargestellten deutsch-französischen Aspekt der Hitlerzeit und des 2. Weltkrieges behandelt. Da „Galadio“ keinen deutschen Verlag fand, entschied sich Waltraud Schleser, Vize-Präsidentin der DFG, mit einer aus Mitgliedern der DFG und Lernenden der VHS Duisburg bestehenden Gruppe, den Roman ins Deutsche zu übertragen und ihn in unterschiedlichen Zusammenhängen einem deutschsprachigen Publikum bekannt zu machen. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde der Autor Theodor Michael eingeladen, dessen Biographie und dessen Schicksal in mancher Hinsicht Parallelen zu dem Protagonisten des Romans aufweist. Im November 2016 wird Didier Daeninckx zudem sein neues Buch in Duisburg vorstellen, welches eine Episode aus der französischen Résistance gegen die deutschen Besatzer erzählt. Die DFG entschied sich darüber hinaus, die Zeit zwischen der 70jährigen Wiederkehr des Kriegsbeginns und des Kriegsendes mit Vorträgen zum Thema der deutschen Emigration nach Frankreich zu begleiten. Dies geschah in kontinuierlicher Partnerschaft und mit freundlicher Unterstützung durch die Volkshochschule. Dafür sei der zuständigen Fachbereichsleiterin, Frau Dr. Claudia Kleinert, an dieser Stelle herzlich gedankt.

Joseph Rovan, dessen Namen der Preis trägt, gehörte selbst zu denjenigen, die Deutschland 1934 verlassen mussten und das Schicksal der Emigration erlitten. Als Franzose hat er nach 1945 in hohem Maße an der Versöhnung zwischen den verfeindeten Nachbarn mitgewirkt. Die Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg freut sich und ist stolz auf diese große Anerkennung ihrer ehrenamtlichen Arbeit.

Prix Rovan 2016 II