Sonder-Newsletter 

Tour de France touristique 2

 

von Werner Schleser

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In unserem zweiten Newsletter zur Tour de France 2017 stellen wir die Orte Troyes und Nuits-Saint-Georges (6./7. Etappe), Dole und Chambery (8. Etappe) vor.

Tour-Verlauf und geografische Lage der Orte zeigt die offizielle Streckenkarte unter nachstehendem Link: http://www.letour.fr/le-tour/2017/de/allgemeine-strecke.html

- Troyes

  - Stadt der Strickwaren...

  - ... und der Fachwerkhäuser

  - Die "Andouillette de Troyes"

- Nuits-Saint-Georges

  - Weltkulturerbe Weinbau

  - Die Küche Burgunds

- Dole

- Chambéry

  - Die Küche Savoyens 

Der nächste Sonder-Newsletter erscheint am 11. Juli 2017.

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Typische Fachwerkhäuser in der Altstadt von Troyes

Troyes

Troyes Stadt der Strickwaren …

Troyes liegt 160 km südlich von Paris und ist Hauptstadt des Départements Aube. Mit 60.700 Einwohnern ist Troyes nach Reims und Chalons-sur-Marne die bedeutendste Stadt der früheren Region Champagne-Ardenne, die 2016 in der Region Grand Est aufgegangen ist. Ein bedeutender wirtschaftlicher Aufschwung setzte im 16. Jahrhundert ein. Von der Lederverarbeitung verlagerte sich der Schwerpunkt der Aktivität auf die Herstellung von handgefertigten Strickwaren. Die Einführung der Strickmaschine ab 1745 ermöglichte die kostengünstige Herstellung von Strümpfen von gleichbleibend hoher Qualität. Nach weiteren technischen Neuerungen anfangs des 19. Jahrhunderts dehnte sich die Textilindustrie erfolgreich im gesamten Département Aube aus. Dem Trend zur Verlagerung der Textilproduktion in Billiglohnländer folgten aber auch die französischen Hersteller. Einzig die Firmen Lacoste und Petit Bateau sind Troyes treu geblieben und haben immerhin noch 3200 Beschäftigte. Als Erbe der Textilindustrie kann das „Factory Outlet Center“ in Troyes angesehen werden, das mit 3 Standorten als das größte Europas gilt. Im Gegensatz zu anderenorts ist es aber historisch gewachsen, nämlich entstanden aus einem ersten Fabrikverkauf im Jahr 1936.

… und der Fachwerkhäuser

Der wirtschaftliche Aufschwung ging einher mit einer regen Bautätigkeit. Ausgangspunkt war ein großes Feuer im Jahr 1524, das große Teile der Südstadt verwüstete. Gebaut wurden vor allem Fachwerkhäuser, von den wohlhabenden Bürgern aber auch Häuser aus Stein. An den Hauptachsen der Straßen in der Innenstadt stehen nicht weniger als sieben Kirchen, darunter die Cathédrale St-Pierre-et-St-Paul, die vom 13. bis 17. Jahrhundert gebaut wurde und zu den Hauptwerken der französischen Gotik zählt. Die Seine und zwei Kanäle laden unweit des Stadtzentrums zu einem Spaziergang in entspannter Atmosphäre ein.

Troyes, Rathaus

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Die „Andouillette de Troyes“

Dem Unwissenden erscheint die Andouillette wie eine an den Enden offene Bratwurst. Wäre da nicht dieser eigenartige, durchdringende Geruch … Denn Andouillettes bestehen aus Schweine-Darm gefüllt mit langen, dünnen Streifen aus Magen und Darm. Ein großer Teil der Franzosen liebt dieses deftige Produkt der Charcuterie innig, aber nicht wenige verschmähen es – wie der überwiegende Teil der Nicht-Franzosen. Als Erfinder der Speise beansprucht Troyes eine Führungsrolle in Sachen Bewahrung des traditionellen Rezepts, das bereits aus dem 15. Jahrhundert stammen soll. Aber auch die rustikale Bouchon-Küche Lyons und die Küche von Cambrai haben die Andouillette standardmäßig im Repertoire, wie auch die Küche in weiteren Regionen. Nur wird das klassische „pur porc“ dann oft ersetzt durch Bestandteile von Rind, Kalb oder gar Geflügel. Um die (vermeintliche) Vormachtstellung der „Andouillette de Troyes“ zu untermauern wurde 1960 die „AAAAA“ gegründet. Diese - kurz auch 5A genannte - „Association Amicale des Amateurs d'Andouillette Authentique“, wacht über die Einhaltung des traditionellen Rezepts und verleiht Qualitätsurkunden an Hersteller und Restaurants. Allerdings handelt es sich bei den Auszeichnungen keineswegs um einen offiziellen Standard wie etwa die Appellations.  

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Nuits-Saint-Georges

Nuits-Saint-Georges, Zentrum

Weltkulturerbe Weinbau

Mit Nuits-Saint-Georges erreicht die Karawane der Tour de France erstmals - und das einzige Mal - Burgund. Die Gemeinde mit rund 5.500 Einwohnern liegt im Département Côte-d’Or, zwischen Dijon und Beaune. Wie zahlreiche andere Gemeinden Burgunds ist auch Nuits-Saint-Georges durch den Wein zu großem Wohlstand gekommen. In den vier zwischen Dijon und Macon in südlicher Richtung aneinandergereihten Weinbaugebieten dominieren zwei große Rebsorten: der rote Pinot Noir (Spätburgunder) und der weiße Chardonnay. Für beide sind die kalk- und mergelhaltigen Böden in Verbindung mit dem Klima ideale Voraussetzungen für hochwertige Weine. Wegen der einzigartigen Verbindung von Natur und menschlichem Schaffen mit einer 2000-jährigen Geschichte hat die UNESCO im Jahr 2015 den Weinbau Burgunds in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Die Gemeinde Nuits-Saint-George selbst legt übrigens Wert auf die Feststellung, dass sie nicht nur vom Wein lebt. Neben mittelständischen Betrieben gibt es Niederlassungen bekannter französischer Firmen wie den Fruchtgetränkeabfüller Pampryl (Orangina) und Vedrenne, den Hersteller des Likörs Cassis (Schwarze Johannisbeere), Grundbestandteil des Kir bzw. Kir royal.

Die Küche Burgunds

Die traditionelle Küche Burgunds ist von großer Vielfalt und natürlich mit Wein verbunden. Typisches Gebäck, das zum Aperitif gereicht wird, sind die  Gougères, die aussehen wie kleine Windbeutel, aber nicht süß sind, sondern Käse enthalten. Damit sind sie ideale, leichte Begleiter des Chardonnay,  Crémant de Bourgogne oder des Kir. Eine klassische Vorspeise sind die Œufs en meurette, pochiertes Ei in einer Rotweinsoße mit Speck, Zwiebeln und Champignons, verfeinert mit Kräutern und Gewürzen. Andere klassische Entrées sind der Jambon persillé, Kochschinken in Gelee mit viel Petersilie, und Burgunder Schnecken, die Escargots de Bourgogne. Das bekannteste Hauptgericht ist wohl das Bœuf Bourguignon, in Rotwein geschmortes Rindfleisch mit Speckwürfeln, Zwiebeln, Möhren und Champignons. Der Coq au vin  (Hähnchen oder Huhn) wird in Burgund ebenfalls mit Rotwein zubereitet, während für das Poulet à la crème, Huhn in weißer Soße, natürlich Weißwein und Crème fraîche verwendet wird. Das Poulet de Bresse, ist ein Huhn mit Appellation und kontrollierter Aufzucht. Berühmtester Käse Burgunds ist der deftige Epoisse, der in den traditionellen  Restaurants Burgunds auf jeder Käse-Platte vertreten ist. Wird er einzeln gereicht, dann meist mit süßen Begleitern wie Crème de Cassis, Sirup oder roten Früchten. Von den zahlreichen Desserts sei die Poire au vin rouge erwähnt, gekochte Birne in Rotweinsoße, sowie der lebkuchenähnliche Kuchen Pain d'épices

Nuits-Saint-Georges, Weinwerbung

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Dole

Dole, Kathedrale Notre-Dame

 

Nur etwa 50 km östlich von Nuits-Saint-George liegt die Stadt Dole (23.300 Einwohner). Geografisch sind wir damit im französischen Jura angekommen, einem Mittelgebirge mit Gipfeln bis zu 1.720 m. Das Département Jura ist seit der Regionalreform Teil der Großregion Bourgogne-Franche-Comté. Dole ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Osten Frankreichs. An die sich kreuzenden Autobahnen A 36 (West-Ost-Richtung) und A 39 (Nord-Süd-Richtung) sind zahlreiche Departementsstraßen angebunden. Der traditionelle Eisenbahnknotenpunkt Dole ist seit 1987 an das TGV-Netz angeschlossen, seit 2004 kann über Mulhouse auch Deutschland schnell erreicht werden.

Der berühmteste Sohn der Stadt ist zweifellos Louis Pasteur (1822 – 1895). Der Chemiker und Mikrobiologe gelangte durch seine Studien über Gärung und Fäulnis zur Rolle von Mikroorganismen bei der Entstehung von Krankheiten. Nach einem Auftrag der französischen Regierung zur Erforschung verschiedener Krankheiten der Seidenraupen, wandte er sich ab 1876 verstärkt der Tier- und Humanmedizin zu und entwickelte Impfstoffe gegen mehrere Infektionskrankheiten. In seinem Geburtshaus in der Rue Pasteur in Dole wird das Leben und Werk Pasteurs lebendig. Wer sich intensiver mit ihm beschäftigen will, dem sei ein Besuch des Pasteur-Museums in Paris empfohlen.

Für die touristische Erkundung der Stadt dient nicht nur ein übersichtlicher Plan, den man im Office de Tourisme erhält. Zusätzlich wurden Messingplaketten in Gestalt einer Katze im Gehweg eingelassen, denen man nur folgen muss. Die Katze ist eine Anspielung auf die „Contes du chat perché“ des Schriftstellers Marcel Aymé, der seine Kindheit und Jugend in Dole verbracht hatte.

Dole, Denkmal Louis Pasteur

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Chambéry

Chambéry, Elefantenbrunnen, Wahrzeichen der Stadt

 

Mit dem Zielort Chambéry erreichen wir die Alpes Savoie. Die jahrhundertelange Geschichte Savoyens als unabhängige Grafschaft bzw. Herzogtum war vor allem von einem geprägt: der tiefen Abneigung gegenüber Frankreich. Und das, obwohl mehrheitlich Französisch gesprochen wurde, neben der frankoprovenzalischen Sprache Arpitan. Im Jahr 1860 kam das wirtschaftlich schwache Savoyen trotzdem per Vertrag zum mächtigen Nachbarn Frankreich. Den 150. Jahrestag im Jahr 2010 nahm die Separatistenbewegung „Ligue Savoisienne“ noch einmal zum Anlass für eine Mobilisierungskampagne gegen die „Annexion“. Trotz beträchtlicher Sympathie sieht der überwiegende Teil der Bevölkerung eine - wie auch immer geartete - Abspaltung von Frankreich als völlig unrealistisch an. Doch die traditionelle Flagge Savoyens - rotes Kreuz auf weißem Grund - ist im historischen Zentrum Chambérys allgegenwärtig.

Als Sitz des Départements Savoie und Garnisonstadt dominieren in Chambéry Arbeitsplätze in der Verwaltung. Nicht zuletzt die Université Savoie-Mont-Blanc mit über 13.000 Studierenden trägt dazu bei, dass die Bevölkerungszahl wächst, von 54.100 Einwohnern im Jahr 1990 auf 59.000 Einwohner heute.

Die Küche Savoyens

Die Küche Savoyens ist bodenständig und einfach, der Einfluss Italiens wird an der Präsenz von Nudeln und Polenta deutlich. Es ist der Käse Savoyens, der viele Gerichte veredelt. Am bekanntesten ist wohl das Käsefondue, das Fondue Savoyarde, das seinen einmaligen Geschmack durch die Kombination der lokalen Käsesorten Comté und Beaufort, mit dem Gruyère de Savoie oder dem Emmental de Savoie erhält. Ein ebenfalls einfaches, aber köstliches Gericht ist die Tartiflette, ein Kartoffelgratin mit Speck und Zwiebeln, überschmolzen mit dem Savoyer Käse Reblochon. Eine Abwandlung der Tartiflette ist die Croziflette, in der die Kartoffelscheiben durch Crozets ersetzt werden. Crozets sind kleine quadratische Nudeln auf der Basis von Buchweizenmehl. Berthoud ist ein Gericht mit dem Käse Abondance. In kleinen Auflaufformen wird der in feine Scheiben geschnittene Käse mit Knoblauch und Weißwein gemischt, gewürzt und dann im Backofen erhitzt. Als Beilage dienen Pellkartoffeln.

Außer den Käsesorten, die obenstehend bereits genannt wurden, muss natürlich noch der Tomme de Savoie erwähnt werden.

Chambéry, Place Saint Léger

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Amic'allemand

Ihre Waltraud Schleser

1. Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg.  

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