Sonder-Newsletter 

Tour de France touristique 4

 

von Werner Schleser

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Auf die Pyrenäen folgt am 15. Juli  die 14. Etappe der Tour de France von Blagnac nach Rodez. Danach geht es in die Auvergne nach Le Puy-en-Velay und anschließend nach Osten über Romans-sur-Isère nach La Mure, also zurück in die Alpen (15., 16. und 17. Etappe).

Tour-Verlauf und geografische Lage der Orte zeigt die offizielle Streckenkarte unter nachstehendem Link: http://www.letour.fr/le-tour/2017/de/allgemeine-strecke.html

-         Rodez

-         Le Puy-en-Velay

-         Romans-sur-Isère

-         La Mure

Der nächste Sonder-Newsletter erscheint am 20. Juli 2017.

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Rodez, Kathedrale 

Rodez

Ganz unerwähnt bleiben soll Blagnac, Startort der Etappe nach Rodez, nicht. Die Industriestadt am Rande von Toulouse beherbergt nicht nur den Flughafen Toulouse-Blagnac, sondern auch die Hauptverwaltung und große Fertigungsstätten des deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtunternehmens Airbus. Insgesamt gibt es 170 Firmen im Großraum Toulouse, zumeist Zulieferer für Airbus. Für Frankreich, das seit Jahrzehnten an Deindustrialiserung leidet, ist diese erfolgreiche Hightech-Industrie geradezu lebensnotwendig, um industriell nicht noch weiter an Bedeutung zu verlieren. Die Geschichte der Luftfahrt wird lebendig im Museum Aéroscopia in Blagnac. Es befindet sich direkt neben dem Airbus-Werk Lagardère, in dem das Großraumflugzeug A380 gebaut wird.

Rodez liegt 150 km nordöstlich von Toulouse in den westlichen Ausläufern des Massif Central. Die Stadt ist Verwaltungssitz des Départements Aveyron und hat 24.000 Einwohner. Das mittelalterliche Rodez war eine Festungsstadt, was sich heute noch in den zahlreichen engen Straßen und Gassen sowie in jahrhundertealten Gebäuden widerspiegelt. Malerische Plätze werden für reichhaltige Märkte genützt, auf denen lokale Produkte angeboten werden. Die Landwirtschaft ist die hauptsächliche wirtschaftliche Aktivität von Rodez und seinem Umland. Allerdings haben sich auch zwei bekannte Firmen mit großen Werken angesiedelt: die deutsche Robert Bosch GmbH und der französische Milch-Verarbeiter Lactalis.

Der Eingang zur Altstadt wird überragt von der spätgotischen Kathedrale Notre-Dame de Rodez, die beginnend im Jahr 1277 bis zum Ende des 16. Jahrhunderts errichtet wurde. Die ungewöhnlich massive Bauweise der Kirche mit ihren bis zu 87 m hohen Türmen resultiert aus ihrer Funktion als Wehrkirche, denn sie stand außerhalb der ehemaligen Stadtmauer von Rodez.

Nur wenige Minuten zu Fuß von der Kathedrale entfernt, im Stadtgarten Foirail, liegt das Musée Soulage. Das im Mai 2014 eröffnete Museum in Gestalt eines fünfteiligen, rost-roten Flachbau-Ensembles zeigt rund 500 Werke des zeitgenössischen französischen Malers Pierre Soulage. Breite, schwarze Balkenformen vor hellem Grund ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Kunstschaffen. Der 1919 geborene Sohn der Stadt hat sein Werk in den Jahren 2005 und 2012 der Gemeinde vermacht. Der Wert der Kunstwerke soll mehr als 8 Millionen Euro betragen. 

Rodez, Markt

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Le Puy-en-Velay

Le Puy-en-Velay, Kathedrale

Mit der Ankunft in Le Puy-en-Velay erreicht die Tour de France die Auvergne mit dem Massif Central. Wie in einer Kette aneinandergereiht erstreckt sich rund 15 km westlich von Clermont-Ferrand eine Gruppe von über 80 Vulkanen, der höchste ist der 1465 m hohe Puy de Dôme. Im Südosten der Auvergne liegt die von Basaltkuppen vulkanischen Ursprungs umgebene Stadt Le Puy-en-Velay. Die Stadt mit 18.600 Einwohnern ist Hauptstadt des Départements Haute Loire, im Südwesten der neuen Großregion Auvergne-Rhône-Alpes.

Zwei Vulkankegel überragen weithin sichtbar die Stadt. Zum einen der Felsen Saint Michel mit der Kapelle Saint-Michel-d’Aiguilhe, zum anderen der 132 m hohe Felsen Corneille mit der Statue Notre-Dame-de-France aus dem Jahr 1860. Diese ist 16 m hoch, wiegt 110 Tonnen und wurde aus dem Gusseisen von 213 erbeuteten Kanonen des Krimkrieges gegossen. Ein roter Anstrich schützt sie heute vor Korrosion.

Die Kathedrale Notre Dame in Le-Puy-en-Velay erlangte frühzeitig Bedeutung als Bischofssitz und Ausgangspunkt des Pilgerweges Via Podiensis nach Santiago de Compostela. Dadurch ist sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes „Jakobswege in Frankreich“. Wichtiger Anziehungspunkt für Pilger war die 82 cm große Statue der Schwarzen Madonna. Nach der Zerstörung durch Revolutionstruppen im Jahr 1794 entstand Ende des 18. Jahrhunderts als Kopie die heutige Statue. 

Le Puy-en-Velay, Marienstatue

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Kulinarisches aus der Auvergne

Eine Spezialität von Le Puy-en-Velay sind grüne Linsen. Rund 900 landwirtschaftliche Betriebe im Umland von Le Puy-en-Velay erzeugen jährlich bis zu 5.000 Tonnen der Hülsenfrucht. Boden und Klima schaffen ideale Wachstumsbedingungen. Die „Lentille Verte du Puy (AOP)“ ist seit 2008 eine geschützte Herkunftsbezeichnung nach europäischem Recht. Es liegt auf der Hand, dass grüne Linsen in der regionalen Küche für zahlreiche Linsengerichte verwendet werden, sei es in Eintöpfen mit geräuchertem Schweinefleisch, Speck oder Wurst, als Linsensalat oder als Beilage zu Fleisch und Fisch. Lange Zeit als „Kaviar der Armen“ bezeichnet, hat die Linse inzwischen auch in der französischen Sterne-Küche Fuß gefasst. Traditionelles Gericht, allerdings ohne Linsen, ist der deftige Eintopf Potée auvergnate, der aus Schweinshaxe, magerem Speck, Kohl und Kartoffeln zubereitet wird. Kulinarische Glanzlichter sind die vielfältigen, hochwertigen Käsesorten der Auvergne. Nicht weniger als fünf sind ausgezeichnet mit dem AOP-Label: der Cantal, der Saint-Nectaire, der Fourme d’Ambert, der Bleu d’Auvergne und der Salers. Ein auch überregional bekannter Digestif ist der „Verveine du Velay“, ein grüner Kräuterlikör auf der Basis von über 30 verdauungsfördernden Kräutern, darunter das Eisenkraut und die Zitronenverbene.

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Romans-sur-Isère

Brücke über die Isère

 

Romans-sur-Isère ist Etappenort der Tour de France auf dem Weg zurück in die französischen Alpen. Dazu wird das Tal der Rhône bei Valence in Richtung Osten überquert, um 20 km nordöstlich die Hauptstadt des Départements Drôme zu erreichen.

Romans-sur-Isère war bis zum Ende des 20. Jahrhunderts die Hauptstadt der Schuhherstellung in Frankreich. Eine schwungvolle Entwicklung der industriellen Schuhproduktion begann nach 1850. Im Jahr 1914 fanden bereits 5.000 Menschen in den Fabriken Beschäftigung. Erste Marken wie Unic und Charles Jourdan entstanden. Nach dem 2. Weltkrieg ging die Entwicklung weiter, produziert wurden vor allem hochwertige Schuhe. Die Krise der Schuhindustrie setzte in den 1980er Jahren dennoch mit voller Wucht ein. Selbst für hochwertige Luxus-Schuhe galten die Herstellkosten in Romans-sur-Isère nun als zu hoch. Nach der Insolvenz im Jahr 2005 schloss das letzte Werk von Charles Jourdan. Nach 2010 entstanden einige kleine Betriebe mit wenigen Beschäftigten. Diese wollen mit Nischen-Produkten die Tradition der Schuhherstellung hochhalten. Auch der Handel von Romains-sur-Isère zehrt immer noch von der ruhmreichen Vergangenheit mit zahlreichen Schuhgeschäften und Boutiquen - aber leider nicht mehr „fabriqué en France“.

Einen umfassenden Einblick über die Geschichte des Schuhs weltweit erhält man im Musée International de la Chaussure, das im ehemaligen Kloster von Romans-sur-Isère untergebracht ist.

Trotz des Verlusts der Arbeitsplätze der Schuhindustrie hat Romans-sur-Isère den 1975 erreichten Höchststand der Bevölkerung mit 33.000 Einwohnern bis heute halten können. Einerseits ist es gelungen, neue Unternehmen anzusiedeln. Andererseits wurden Arbeitsplätze in der Verwaltung geschaffen, vor allem in den Behörden der Präfektur des Départements

Romans-sur-Isère, Glockentrum

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La Mure

La mure, Hôtel de Ville

 

La Mure ist eine Gemeinde mit 5.000 Einwohnern in den Alpen und gehört zum Département Isère. Der 50 km südlich von Grenoble gelegene Ort ist Ausgangspunkt der 17. Etappe der Tour de France, die hinauf zum 2491 m hohen Berg Serre Chevalier führt.

Neben Tourismus und Landwirtschaft besitzt La Mure mit der Firma Gorgy Timing einen wichtigen Industriebetrieb. Der international agierende Uhrenhersteller befindet sich in Familienbesitz und bekennt sich mit Hauptverwaltung und Produktion zu seinem Stammsitz.

La Mure, Markthalle

 

Alle Fotos: Werner Schleser, 2017

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Amic'allemand

Ihre Waltraud Schleser

1. Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg.  

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