Sonder-Newsletter 

Tour de France touristique 3

 

von Werner Schleser

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Nach einem Transfer mit dem Flugzeug in den Südwesten Frankreichs startet die 10. Etappe der Tour de France am 11. Juli 2017 in Périgueux mit dem Ziel Bergerac. Anschließend geht es über Eymet weiter in Richtung Pyrenäen mit Pau, Saint-Girons und Foix.

Tour-Verlauf und geografische Lage der Orte zeigt die offizielle Streckenkarte unter nachstehendem Link: http://www.letour.fr/le-tour/2017/de/allgemeine-strecke.html

-         Périgueux  

-         Bergerac

-         Eymet                                   

-         Pau

-         Saint-Girons

-         Foix

Der nächste Sonder-Newsletter erscheint am 15. Juli 2017.

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Périgueux, Kathedrale Saint-Front

Périgueux

Die Stadt Périgueux ist das Zentrum des Périgord und verwaltungstechnisch die Hauptstadt des Départements Dordogne. Der gleichnamige Fluss durchzieht das Département von Ost nach West und mündet nahe Bordeaux in die Garonne. Périgueux  ist gallo-romanischen Ursprungs und hat heute 30.000 Einwohner. In der Altstadt sind Reste der römischen Niederlassung Vesunna erhalten. Eine einzigartige Sammlung findet sich im Musée Vesunna Gallo-Romain. Beindruckend sind die erhaltenen Bauwerke aus dem Mittelalter und der Renaissance, die idyllische Plätze umschließen. Ein Highlight ist die Kathedrale Saint-Front aus dem Jahr 1170, errichtet im romanischen Stil mit byzantinischen Elementen. Der Grundriss in Gestalt eines griechischen Kreuzes ähnelt dem des Markusdoms in Venedig. Der französische Architekt Paul Abadie restaurierte Saint-Front im 19. Jahrhundert im ursprünglichen Stil und ergänzte die Kirche durch zusätzliche Türmchen. Später ließ Abadie sich vom Stil der Kathedrale beim Bau von Sacré-Cœur auf dem Montmartre in Paris inspirieren. Überregionale Bedeutung erlangte die Kathedrale Saint-Front als Station der Via Lemovicensis, einem französischen Teil des Jakobsweges von Vézelay in Burgund nach Santiago de Compostela.

Prähistorie im Périgord: Eine Wiege der Menschheit

Befasst man sich mit dem Périgord, so können die umfangreichen prähistorischen Funde an der Dordogne und an ihrem Nebelfluss Vézère nicht unerwähnt bleiben. Die Kalkformationen mit zahlreichen Felsvorsprüngen und Höhlen sowie das Wasser kleiner Bäche boten ideale Bedingungen für die Ansiedlung von Menschen. Kieselsteine und Feuerstein dienten als Ausgangsmaterial für Werkzeuge und Waffen. Nach ersten, zufälligen Funden bei Bauarbeiten in Les Eyzies-de-Tayac im Jahr 1863 wurden in Höhlen oberhalb der Vézère verschüttete Skelettreste von Neanderthalern (etwa 80.000 Jahre v. Chr.) und Cro-Magnon-Menschen (30.000 Jahre v. Chr.) freigelegt. Im September 1940 entdeckten junge Männer bei Montignac die Höhle Lascaux mit ihren einzigartigen mehrfarbigen Tierzeichnungen an den Felswänden. Diese können in der originalgetreuen Nachbildung Lascaux 2 besichtigt werden. Denn nachdem die Höhle Lascaux 15 Jahre der Öffentlichkeit zugänglich war, musste sie geschlossen werden, weil durch 1.200 Besucher täglich die Luftfeuchtigkeit stark anstieg und zur Bildung von schwarzem Schimmel führte. Die Höhle Font-de-Gaume bei Les Eyzies kann heute noch im Original besichtigt werden und enthält 14.000 Jahre alte Malereien. 

Einen Überblick über die gesamte Menschheitsgeschichte erhält man im Musée National de Préhistoire in Les Eyzies-de-Tayac. Wer keine so weite Reise unternehmen will, dem sei das Neanderthal-Museum nahe Mettmann wärmstens empfohlen.

Die Küche des Périgord - cuisine de terroir

Die traditionelle Küche des Périgord war eine einfache Bauernküche, die im Lauf der Jahrhunderte dennoch zu Ruhm gelangt ist. Erfolgsrezept war das konsequente Festhalten an den Produkten, die die lokale Landwirtschaft hervorbrachte und bis heute hervorbringt. Beim Geflügel dominiert die Ente, die meist als Magret de canard (Entenbrust) oder Confit de canard (Entenkonfit) auf den Tisch kommt. Begleiter oder Bestandteil vieler Gerichte sind Esskastanien und Steinpilze. Und natürlich die schwarze Trüffel, die einfache Gerichte wie Omelette, Risotto oder Nudeln, aber auch anspruchsvolle Geflügelgerichte veredelt. Berühmtestes Produkt des Périgord ist ohne Zweifel die Foie gras, heute fast ausschließlich Foie gras de canard, also Entenstopfleber. Frankreich ist mit einer Jahresproduktion von 20.000 t weltgrößter Hersteller und zugleich größter Exporteur. Rund 30.000 Menschen sind mit der Aufzucht und Herstellung beschäftigt. Dabei ist die angewendete Zwangsernährung von Gänsen und Enten zur Herstellung der Foie gras nicht nur weltweit umstritten, sondern in der EU per Richtlinie aus dem Jahr 1998 untersagt. Aber Frankreich und Spanien haben die Richtlinie nicht in nationales Recht umgesetzt - bisher ohne Konsequenzen. Die große Mehrheit der Franzosen will sich die kulinarische Spezialität einfach nicht nehmen lassen. Bei Feiern und festlichen Anlässen, insbesondere bei den Fêtes de fin d’année (Weihnachten, Silvester) ist die Foie gras immer Bestandteil des Menus.

Périgueux, Historisches Postgebäude

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Bergerac

Bergerac, Vieux Pont

Nur 48 km südlich von Périgueux liegt die Stadt Bergerac (27.800 Einwohner). Berühmt wurde Bergerac durch die Theaterfigur des Cyrano de Bergerac von Edmond Rostard (1868 - 1918), obwohl der Verfasser gar nicht Bergerac im Périgord gemeint hat, sondern eine Liegenschaft in der Nähe von Paris. Das hindert die Stadt Bergerac aber nicht an der touristischen Verwertung mit gleich zwei Statuen in der Innenstadt. Bergerac war und ist eine wohlhabende Stadt, denn sie ist das Zentrum eines Weinbaugebiets von 12.600 ha mit 12 Appellationen. Traditionell angebaut werden im Wesentlichen dieselben roten Rebsorten wie im benachbarten Bordelais (Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon), aber die erzeugten Rotweine sind meist leichter als die Bordeaux-Weine – und preiswerter. Bei den weißen Rebsorten dominieren Sauvignon blanc, Sémillon und Muscadelle, die heute zu trockenen, fruchtigen Weißweinen gekeltert werden. Eine Weißweinspezialität ist der süße Monbazillac, der wie sein berühmter Vetter Sauternes aus Bordeaux, zur Foie gras getrunken wird. Der Monbazillac ist aber als Dessertwein auch ein idealer Begleiter zu kräftigem Käse. Wer die Vielfalt der Weine der Region näher kennenlernen will, liegt mit einem Besuch des Maison des Vins de Bergerac richtig.

Bergerac war auch ein führendes Zentrum des Tabakanbaus in Frankreich, wurde inzwischen aber vom Elsass abgelöst. Das Musée du Tabac präsentiert die 3.000jährige Geschichte des Tabaks. Eine kritische Auseinandersetzung mit den potentiellen Folgen des Rauchens sucht man allerdings vergebens.

Bergerac, Hôtel de Ville

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Eymet

Eymet, Marktplatz

 

Etwa 25 km südlich von Bergerac, nahe der südlichen Grenze des Départements Dordogne, liegt die Gemeinde Eymet. Eymet ist ebenfalls gallo-romanischen Ursprungs und hat heute 2.600 Einwohner. Die rund tausend Arbeitsplätze sind überwiegend im Dienstleitungs- und Verwaltungsbereich angesiedelt. Burg und Festung gehen auf das 13. Jahrhundert zurück und stehen unter Denkmalschutz. Mehrere Restaurants rund um den zentralen Platz mit einem charakteristischen Brunnen laden zum Verweilen ein. Als Zwischenstation ohne Hektik ist Eymet also bestens geeignet. Der Start der 11. Etappe der Tour de France in Eymet soll den Tourismus fördern.

Eymet, Château

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Pau

Pau, Standseilbahn

 

Pau ist eine Stadt mit 77.000-Einwohnern und als Ankunftsort der 11. Etappe das Kontrastprogramm zum beschaulichen Eymet. Als Hauptstadt des Départements Pyrénées-Atlantiques nennt sich Pau auch Porte des Pyrénées (Pforte zu den Pyrenäen). In der Tat sind es nur etwa 25 km bis zu den ersten Ausläufern der 430 km langen Gebirgskette zwischen Frankreich und Spanien. Die Oberstadt mit dem Stadtzentrum liegt auf einem Plateau 80 m über der Unterstadt. Der 2 km lange Boulevard des Pyrénées umfasst gen Süden bogenförmig die historische Altstadt und erstreckt sich vom Palais Beaumont (Casino und Kongresszentrum) im Osten bis zum Château de Pau, Geburtsstätte des Königs Henri IV, im Westen. Vom parallel verlaufenden Fußweg hat man einen wunderbaren Blick auf die nahen Pyrenäen. Die Innenstadt von Pau ist eine fußgängerfreundliche Stadt. Zahlreiche Straßen wandelten die Stadtplaner in Fußgängerzonen um. Dadurch sind über tausend Läden aller Art ohne störenden Autoverkehr zu Fuß zu erreichen. Für einen schnellen Ortswechsel zwischen Ober- und Unterstadt nimmt man am besten die Standseilbahn (Funiculaire de Pau). Die Bergstation befindet sich am Boulevard des Pyrénées, die Talstation am Bahnhof von Pau. Die Standseilbahn stammt aus dem Jahr 1908, wurde aber mehrmals renoviert und dem Stand der Sicherheitstechnik angepasst. Mit einer Abfahrt alle 3 Minuten und einer Kapazität von 30 Personen je Waggon ist die Bahn ein recht effizientes Transportmittel. Zudem ist die Fahrt kostenlos.

Pau, Place royale

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Saint-Girons

Saint-Grions, der Fluss Salat

Auch am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, geht die Tour de France weiter. Die 13. Etappe führt in den Pyrenäen von Saint-Girons nach Foix.

Saint-Girons erlebte im 19. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Aufschwung dank der Wasserkraft des Flusses Salat. Dieser speist sich aus 9 Quellen und führt auf Grund der reichhaltigen Niederschläge in den Pyrenäen das ganze Jahr reichlich Wasser. Waren es anfangs vor allem Getreidemühlen, Sägewerke und Textilbetriebe, so folgten später Papierfabriken. Diese siedelten sich wegen des klaren Wassers an, das Rohmaterial Holz kam aus den nahe gelegenen Wäldern. Durch die technische Entwicklung verloren diese klassischen Standortvorteile an Bedeutung, und so erlebte auch die Papierherstellung im abgelegenen Saint-Girons einen Niedergang. Übrig geblieben ist eine einzige aktive Papierfabrik. Wichtigster Wirtschaftsfaktor der Stadt mit 6.300 Einwohnern ist heute der Tourismus. 

Saint-Girons, Kirche

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Foix

Foix, Burg

Foix hat 9.700 Einwohner und ist Hauptstadt des Départements Ariège. Seit dem Mittelalter wurde in Foix und Umgebung Eisenerz der nahe gelegenen Mine du Rancié verhüttet. In Montgaillard, 5 km entfernt von Foix, wird im Museum Forge de Pyrène die Technik der Eisenherstellung und -verarbeitung in den Pyrenäen gezeigt. Neben der Metallurgie wurden in Foix seit dem 18. Jahrhundert eine Vielzahl von Handwerkern heimisch wie Schreiner, Tischler und Töpfer. Außerdem siedelten sich Ziegelbrennereien und Glaswerkstätten an.

Herausragendes Bauwerk von Foix ist die Burg, die auf einem Felsen die Stadt überragt. Mit dem Bau des ersten Turmes wurde im 11. Jahrhundert begonnen. Im Stadtzentrum ist eine Markthalle erhalten, die in den Jahren 1869/70 errichtet wurde. Sie wird heute noch für den Wochenmarkt am Freitag genutzt.

Foix, Markthalle

 

Alle Fotos: Werner Schleser, 2017

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Amic'allemand

Ihre Waltraud Schleser

1. Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg.  

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